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Bericht des Verfassungsschutzes: Mehr Konflikte zwischen Extremisten erwartet

Polizeikräfte gingen in Hamburg gegen demonstrierende Kurden vor, nachdem diese in eine Straßenschlacht mit gewalttätigen Salafisten verwickelt gewesen waren.

Polizeikräfte gingen in Hamburg gegen demonstrierende Kurden vor, nachdem diese in eine Straßenschlacht mit gewalttätigen Salafisten verwickelt gewesen waren.

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Berlin -

Der Verfassungsschutz befürchtet eine weitere Eskalation der Gewalt zwischen Salafisten und anderen Extremisten in Deutschland. „Es besteht Anlass zur Sorge, dass sich die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Extremisten auf unseren Straßen weiter aufschaukeln“, erklärte der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, am Dienstag in Berlin. Der Krieg in Syrien und dem Irak spiegele sich auch in Deutschland wider. Radikale Salafisten rekrutierten hier schon länger Kämpfer für die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Seit dem Sommer werbe auch die verbotene Kurden-Partei PKK in Deutschland verstärkt Kämpfer gegen den IS. Neben Dschihadisten reisten daher inzwischen zunehmend Kurden in die Kampfgebiete.

Auch die Zahl der Salafisten in Deutschland nehme weiter stark zu. Vor allem hier lebende Tschetschenen wenden sich nach Erkenntnissen des Bundesverfassungsschutzes derzeit der fundamentalistischen Strömung des Islam zu. „Die salafistisch beeinflussten Tschetschenen sind in Deutschland sehr aktiv, viele von ihnen sind besonders gewaltbereit“, erklärte der Inlandsgeheimdienst. Am Wochenende hatte Maaßen gesagt, er befürchte einen Anstieg der Zahl der Salafisten in Deutschland auf 7000 bis Jahresende.

Am stärksten wachsende Bewegung in Deutschland

Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden sind in den vergangenen Jahren rund 450 Islamisten aus Deutschland in die Kampfgebiete im Nahen Osten ausgereist. Etwa 150 von ihnen sind inzwischen zurückgekehrt.

Am Wochenende war es in Köln bei einer Demonstration Tausender Hooligans und Rechtsextremisten gegen Salafisten zu schweren Ausschreitungen gekommen. Fast 50 Polizisten wurden verletzt. In der Politik wurden daraufhin Rufe nach einem Verbot solcher Kundgebungen laut. Zuvor hatte es in den vergangenen Wochen bereits bei Auseinandersetzungen zwischen Salafisten und Kurden beziehungsweise Angehörigen der Glaubensrichtung der Jesiden Verletzte gegeben.

Der Salafismus ist seit Jahren die am stärksten wachsende islamistische Bewegung in Deutschland. Er ist eine fundamentalistische Strömung des Islam und für junge Muslime häufig eine Zwischenstation auf dem Weg in den Dschihad. Ziel der Salafisten ist die Abschaffung der Demokratie und die Errichtung eines von ihnen so genannten Gottesstaats. Bei der Missionierung bedienen sie sich stark des Internets, setzen aber auch auf öffentliche Hasspredigten und Aktionen zur Koranverteilung. Viele junge Salafisten haben sich bereits dem IS angeschlossen, der radikalsten Islamisten-Organisation in Syrien und dem Irak.