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«Aufstand der Alten» im ZDF: Was ist dran am Horror-Szenario?

Uhr | Aktualisiert 03.02.2013 20:32 Uhr

Lena Bach (Bettina Zimmermann) interviewt Baer Schubert (Jean-Theo Jost) in «2030 - Aufstand der Alten» (Sendung am 18. Januar, 21 Uhr, Foto: ZDF)

Nach dem Start der dreiteiligen ZDF-Dokumentation «2030 - Aufstand der Alten» ist eine neue Debatte über die Folgen des demographischen Wandels in Deutschland entbrannt.
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Hamburg/dpa. 

«Wir sitzen in der Altersfalle», sagte der Bevölkerungsforscher Prof. Herwig Birg dem Kölner «Express». «Wenn wir nicht sofort drastische Maßnahmen ergreifen, kommen wir da nie mehr raus.» Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) räumte ein, dass sich die Politik zu wenig um den Zusammenhalt der Generationen gekümmert habe. «Wir haben zu lange die Augen davor geschlossen», sagte sie im ZDF-Morgenmagazin.

Der am Dienstagabend gestartete «Demographie-Krimi» zeigt das Schreckensszenario einer überalterten Gesellschaft mit verarmten und ausgebeuteten Senioren. «Es steckt in der Thematik eine brisante Menge an Realität», sagte der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz-Stiftung, Eugen Brysch, am Mittwoch. Schon heute machten sich Politiker Gedanken, wie sie an den Alten sparen könnten, und es werde öffentlich über Altersgrenzen bei der medizinischen Behandlung diskutiert. In diesem Zusammenhang warnte er vor Tendenzen zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe.

Die Senioren-Union der CDU begrüßte die Debatte und mahnte mehr Kinderfreundlichkeit an. «Die deutsche Wohlfühlgesellschaft hat jahrzehntelang verdrängt, dass ein Land mit immer weniger Kindern direkt in die demographische Katastrophe hineinsteuert», sagte der Bundesvorsitzende Otto Wulff. Nach Ansicht von Bevölkerungsforscher Birg sollte den heute 16- bis 20-Jährigen die Halbierung ihrer Rente angedroht werden, wenn sie kinderlos bleiben. Zudem sollten Firmen Mütter und Väter bei der Vergabe von Jobs gegenüber Kinderlosen bevorzugen.

Der Vorsitzende des Sozialverbandes VdK, Walter Hirrlinger, forderte eine Solidaritätsabgabe von Firmen, die ihre Mitarbeiter in Frührente schicken. «Die Menschen sollen bald bis 67 arbeiten, in Wirklichkeit werden sie oft schon mit 50, spätestens 55 Jahren in Rente geschickt», sagte er den in Dortmund erscheinenden «Ruhr Nachrichten».

Nach Ansicht der Partei Die Grauen/Graue Panther verletzt der Film die Menschenwürde. «Ich war erschüttert», sagte der Bundes-Vize Dieter Meyer am Mittwoch im Saarländischen Rundfunk. Basierend auf der Annahme, dass die Gesellschaft kein Geld mehr habe, würden die Rentner als Räuber, Verbrecher und Mörder verunglimpft.

Die erste Folge des Films sahen nach ZDF-Angaben 4,04 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 11,8 Prozent). Der Marktanteil unter den jüngeren Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren betrug 10,5 Prozent, für das ZDF ein überdurchschnittlicher Wert.

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