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„Inhuman, unmenschlich und nicht zu ertragen“: Bernd Lucke wettert gegen AfD-Politik

Bernd Lucke, Bundesvorsitzende der Partei "Allianz für Fortschritt und Aufbruch" (Alfa).

Bernd Lucke, Bundesvorsitzende der Partei "Allianz für Fortschritt und Aufbruch" (Alfa).

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dpa

Berlin -

Erst wurde er geschasst, jetzt setzt er zum Gegenangriff über: Der ehemalige Gründer  der rechtspopulistischen Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD), Bernd Lucke, hat sich in der „Augsburger Allgemeinen“ zu seiner Nachfolgerin Frauke Petry und deren Politik geäußert. „Der Umgang der AfD mit Flüchtlingen ist inhuman, unmenschlich und nicht zu ertragen. Deshalb nehmen wir nach solchen Äußerungen bei Alfa keine AfD-Mitglieder mehr auf. Wir haben einen Aufnahmestopp verhängt“, sagte er.

Lucke hätte nicht erwartet, dass sich die AfD in dieser Form radikalisiere. Die AfD verfolge eine „hässliche Politik“. Die Verantwortung dafür trügen Frauke Petry und Alexander Gauland.

Die AfD-Frontfrau Frauke Petry hatte in den vergangenen Tagen bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil sie in einem Interview im „Mannheimer Morgen“ gesagt hatte, dass der illegale Grenzübertritt von Flüchtlingen auch mit Waffengewalt verhindert werden solle. Später ruderte sie zurück: „Die AfD lehnt es strikt ab, dass auf Menschen geschossen wird, die friedlich Einlass in das Bundesgebiet begehren“, erklärte sie gemeinsam mit AfD-Vize Jörg Meuthen.

Lucke wundere sich, warum Petry zurückrudere, schließlich  hätte sie das ja nicht zum ersten Mal gesagt, kommentierte der 53-Jährige. Am Montagabend twitterte er: „AfD-Wähler sind politisch nicht radikal, sondern wegen der ungeordneten Zuwanderung frustriert und besorgt. Es ist ein Zeichen des Protestes.“

Gefundenes Fressen für Lucke

Für Lucke scheint die hitzige Debatte um seine Ex-Partei ein gefundenes Fressen zu sein. Er war im Juli 2015 aus der AfD ausgetreten, nachdem er bei einem Bundesparteitag in Essen abgewählt worden war. Frauke Petry hatte sich als alleinige Vorsitzende durchgesetzt, sie erhielt knapp 60 Prozent der Stimmen. Nach seiner Abwahl sagte er, dass die Partei „unwiederbringlich in die falschen Hände“ gefallen sei. Vorausgegangen war ein monatelanger Machtkampf zwischen dem  liberal-konservativen und dem nationalkonservativen Flügel der Partei, den Lucke dann schließlich verlor.

Kurze Zeit später gründete Lucke eine neue Partei, die „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa), zuvor hatte er den Verein „Weckruf 2015“ initiiert, um seine Unterstützer in der AfD vor den Gefahren zu warnen, die der Partei drohten. Er fürchtete ein Abdriften der Partei ins rechte Spektrum.

Der stellvertretende Chef der Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, hatte sich nach den Äußerungen seiner Parteikollegin Petry von deren Äußerungen ebenfalls distanziert. „Gezieltes Schießen auf Menschen kommt für die AfD nicht in Frage“, sagte er.

Petry hingegen spricht auf ihrer Facebook-Seite von einer „Schmutzkampagne“ gegen sie und die Partei, bei Twitter nennt sie es „publizierte Lüge“. Und sie kennt auch den Grund: „Kein Wunder, laut Emnid hat die AfD wieder 2% hinzugewonnen und hat Linke und Grüne auf Bundesebene bereits überholt“, schreibt sie.


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