Vorlesen

Viktor Emanuel von Savoyen: Festnahme des Prinzen erschüttert Italien

Uhr
Drucken per Mail
Vittorio Emanuele di Savoia (rechts) und Emanuele

Emanuele Filiberto (l.) ist schockiert über Festnahme seines Vaters, Prinz Vittorio Emanuele di Savoias (r.) (Archivbild). (Foto: dpa)

Ein Prinz im Gefängnis: Die Festnahme von Viktor Emanuel von Savoyen, Sohn des letzten italienischen Königs, wegen Verwicklung in schmutzige Spielbank-Geschäfte erschüttert ganz Italien. Zudem ziehen die Ermittlungen wegen Betrugs, Glücksspiels und Ausbeutung von Prostitution immer weitere Kreise.
Rom/dpa. 

Wie das staatliche italienische Fernsehen meldete, ist auch der ehemalige bulgarischen König Simeon II., in die Ermittlungen verwickelt. Der Adelige aus dem Hause Sachsen-Coburg-Gotha, der von 2001 bis 2005 in Sofia Ministerpräsident war, ist ein Vetter Viktor Emanuels.

«Spielautomaten, Geschäfte und Sex, er war der Anführer», titelte die angesehene Zeitung «Corriere della Sera» (Mailand). Insgesamt seien rund ein Dutzend Verdächtige in Haft oder in Hausarrest, gegen ein weiteres Dutzend werde ermittelt. Verwickelt sei auch der Sprecher des ehemaligen Außenministers Gianfranco Fini. «Es handelt sich um Millionen-Geschäfte» im Kasino-Milieu, schreibt die Zeitung. Es gehe dabei auch um den Verdacht der Geldwäsche, illegale Spielautomaten seien bis nach Russland und Libyen verkauft worden, hieß es.

Der 69-Jährigen Viktor Emanuel war am Freitagend in der Nähe des Comer Sees in Norditalien festgenommen worden. «Ich bin total bestürzt», sagte sein Sohn Emanuele Filiberto. «Sie haben ihn abgeholt wie einen Banditen.» Anschließend wurde Viktor Emanuel mit einer Polizeieskorte durch das ganze Land bis ins Gefängnis von Potenza im Süden gebracht.

«Ihm geht es gut», sagte Ein Sprecher des ehemaligen Königshauses. Allerdings gebe es Probleme, in Potenza notwendige Medikamente für den gesundheitlich Angeschlagen aufzutreiben. Sohn Filiberto drohte bereits einen Hungerstreik an.

Die Nachricht über die Festnahme schlug in Italien wie eine Bombe ein - zeitweise verdrängte der Prinz in der Gefängniszelle sogar die Nachrichten über die «Squadra azzurra» bei der Fußball-WM in die zweite Reihe. Viktor Emanuel war erst vor vier Jahren mit seiner Ehefrau Marina Doria und seinem Sohn nach 56 Jahren Exil nach Italien zurückgekehrt. Er ist der Sohn des letzten italienischen Königs Umberto II., der nach dem Zweiten Weltkrieg abdanken musste, weil das Königshaus sich mit Diktator Mussolini eingelassen hatte.

Zugleich provozierte die Festnahme Viktor Emanuels Streit unter Politikern. In Kreisen der Christdemokraten hieß es, das schade dem Ansehen Italiens: «Man inhaftiert keinen König». Italienische Medien verwiesen dagegen auf frühere  Negativ-Schlagzeilen des Königssohnes.

So war Viktor Emanuel 1991 in Paris wegen Ermordung eines deutschen Studenten auf Korsika angeklagt. Der Adelige soll sich 1978 im Zuge eines Streits mit einem Playboy dermaßen erregt haben, dass er zu einem Gewehr griff und um sich geschossen habe - ein zufällig anwesender Deutscher starb. Das Pariser Schwurgericht verurteilte ihn jedoch lediglich wegen unerlaubten Waffentragens zu einem halben Jahr Gefängnis mit Bewährung. Die Eltern des Toten sprachen damals von einer «Beleidigung und Farce».