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Organisierte Kriminalität: Grausame Verbrecherbande in Österreich festgenommen

Uhr | Aktualisiert 24.01.2013 18:21 Uhr

In diesem Haus im österreichischen Bezirk Vöcklabruck hat sich die Bande mit dem Namen «Objekt 21» organisiert. (FOTO: DPA)

Es klingt wie ein Thriller: Buttersäure-Anschläge, Kettensägen-Folter und Zwangsprostitution. Dies und mehr sollen teils rechtsextreme Kriminelle von einem oberösterreichischen Bauernhaus aus organisiert haben. Einige sind nun in Haft.
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Wien/Linz/dpa. 

Die oberösterreichische Polizei hat ein Netzwerk von Kriminellen mit Verbindungen zur rechtsextremen Szene nahe der deutschen Grenze aufgedeckt. 24 Menschen wurden festgenommen, zehn davon sitzen noch in Untersuchungshaft, teilte die Polizei Oberösterreich am Donnerstag mit. Einige der Männer seien wegen rechtsextremer Delikte vorbestraft, sagte eine Sprecherin. Den Verdächtigen wird unter anderem Raub, Einbruch, Nötigung, Körperverletzung, Drogen- wie Waffenhandel und die Organisation illegaler Prostitution vorgeworfen.

Über Verbindungen nach Deutschland sei bisher nichts bekannt, sagte die Sprecherin. Die inzwischen aufgelöste Vereinigung namens „Objekt 21“ umfasste mindestens 200 Mitglieder, die alle zur oberösterreichischen rechtsradikalen Szene gehörten, berichtete der ORF. An der Spitze standen vier Gewalttäter aus der rechten Szene, die nun in Untersuchungshaft säßen. Zum genauen Zeitpunkt aller Festnahmen wollte sich die Polizeisprecherin nicht äußern, einiges sei bereits im Sommer 2012 passiert.

Ihr Hauptquartier hatte die Organisation nach ORF-Angaben in einem Bauernhaus im Bezirk Vöcklabruck, dort habe die Polizei auch Fahnen und Schriften mit NS-Symbolen gefunden. Dies bestätigte die Polizeisprecherin, sagte aber, dass dies nicht Gegenstand der derzeitigen Ermittlungen sei.

Das Bauernhaus gehört dem Vater des Regisseurs Stefan Ruzowitzky, der für sein KZ-Drama „Die Fälscher“ den Oscar erhielt. Er habe nicht geahnt, was das für Mieter seien, sagte Erich Ruzowitzky dem ORF: „Erst im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt, dass sie es als Parteilokal der ewig Gestrigen ausgebaut haben.“ Die Polizei-Sondereinheit Cobra sei öfter dort gewesen und habe Männer festgenommen, aber nicht gesagt, was gegen sie vorliege. Ende 2012 sei er alle unliebsamen Mieter dann endgültig losgeworden.

Die Palette der Straftaten, die der Bande vorgeworfen werden, umfasst fast das gesamte kriminelle Spektrum: Sie reicht von Buntmetalldiebstählen über 23 Einbrüche bis zu Brand- und Buttersäureanschlägen im Rotlichtmilieu. Unter anderem sollen sie Frauen mit Gewalt und Drohungen zur Prostitution gezwungen und einen Bordellbetreiber entführt und mit einer Kettensäge misshandelt haben. Auch für ein ausgebranntes Wiener Bordell sollen sie verantwortlich sein.

Zudem soll die Organisation einen regen Waffenhandel betrieben haben, berichtete die Polizei. Bei Hausdurchsuchungen fanden Beamte unter anderem zahlreiche zum Teil illegale Schusswaffen, Kriegsmaterial sowie 10 Kilogramm Sprengstoff. Den Sachschaden aller von der Organisation mutmaßlich ausgeführten Straftaten schätzt die Polizei auf 3,5 Millionen Euro.

Die Verdächtigen seien zu einem größeren Teil geständig, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wels, Christian Hubmer, der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Die Ermittlungen seien zum Großteil beendet: „Ich kann aber nicht ausschließen, dass noch einzelne Delikte ans Tageslicht kommen.“

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