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Österreich: Rätsel um Deutschen ohne Erinnerung ist gelöst

Uhr | Aktualisiert 06.01.2013 19:19 Uhr
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Es klingt wie aus einem Thriller: Ein intelligenter Mann mit ausgelöschtem Gedächtnis stellt die Behörden in Österreich vor Rätsel. Nach einer Fahndung können sie ihm nun seinen Namen sagen.
Wien/Bregenz/DPA. 

Ein mysteriöser Mann ohne Erinnerung hat wochenlang Polizei und Ärzte in Österreich rätseln lassen. Nach einer öffentlichen Fahndung mit seinem Bild am Wochenende ist seine Identität geklärt worden: Bekannte und ehemalige Arbeitskollegen sahen sein Bild in den Medien und identifizierten ihn als 48-Jährigen aus dem Raum Stuttgart, wie die Polizei mitteilte.

Als dem Gedächtnislosen am Sonntag mit Unterstützung eines Therapeuten sein Name mitgeteilt wurde, sei die Erinnerung nur sehr bruchstückhaft zurückgekehrt, sagte der Sprecher der Polizei Vorarlberg, Rainer Fitz, der Nachrichtenagentur dpa.

Mehr über das Leben des Mannes wollte die Polizei mit Hinweis auf sein Persönlichkeitsrecht nicht bekanntgeben. Die Veröffentlichung seines Bildes sei sowieso ein letztes Mittel gewesen, weil man ihm nicht anders habe helfen können, sagte ein Sprecher am Wochenende. Seine Erinnerung sei trotz medizinischer Betreuung über Wochen nicht zurückgekehrt.

Eine Wanderung vom bayerischen Lindau ins österreichische Bregenz: Das war alles, was der Mann nach Auskunft der Behörden noch über sich wusste. Name, Herkunft oder Alter - alles ausgelöscht. Am 19. November war der Grauhaarige in Wanderkleidung im Krankenhaus Bregenz aufgetaucht. Dort wollte er sich wegen einer Verletzung behandeln lassen, dabei wurden die Ärzte auf sein fehlendes Gedächtnis aufmerksam und riefen die Polizei. Seitdem war der Mann in ärztlicher Behandlung. Bei Befragungen kam heraus, dass der Mann wohl mit dem Zug in Lindau am Bodensee angekommen und zu Fuß die etwa neun Kilometer nach Bregenz gelaufen sei - mehr wusste er nach eigenen Angaben nicht.

Die Behörden fanden trotz wochenlanger Nachforschungen keinen Hinweis auf seine Identität. Auch vermisste ihn anscheinend niemand. Der Süddeutsche habe zwar noch Angehörige, sei aber alleinstehend, erklärte Fitz am Sonntag. Die nun aufgetauchten früheren Arbeitskollegen und Bekannten hätten nur noch sporadisch Kontakt zu dem Mann gehabt, deshalb habe ihn niemand als vermisst gemeldet.

Der Mann wird von den Behörden als intelligent, gebildet und nicht verwahrlost beschrieben. Zunächst soll er in ärztlicher Behandlung in Vorarlberg bleiben. Was dann mit ihm passiert, hätten die Mediziner gemeinsam mit der Fürsorge zu entscheiden, sagte der Sprecher.

Warum er seine Erinnerung verlor, blieb zunächst unklar. Der Grund für eine Amnesie könne organisch wie psychisch begründet sein, sagte der Chefarzt des Landeskrankenhauses Rankweil, Albert Lingg, den „Vorarlberger Nachrichten“: „So kann die Erinnerung etwa durch ein belastendes traumatisches Erlebnis beziehungsweise einen heftigen Schreck gelöscht werden.“ Organische Ursachen seien beispielsweise Kopfverletzungen, Durchblutungsstörungen oder Vergiftungen. „Eine Amnesie kann aber natürlich auch simuliert werden.“ Dies gilt bei dem Süddeutschen aber als unwahrscheinlich.