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Niederlande: Wilhelm-II-Museum steht vor dem Aus

Uhr | Aktualisiert 06.11.2012 23:57 Uhr
20 Jahre verbrachte Kaiser Wilhelm II. in Haus Doorn. (FOTO: ANDREAS HEIMANN/DPA) 
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Das Wilhelm-II-Museum in Doorn steht vor dem Aus, weil die niederländische Regierung die Subventionen kürzt.
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BRÜSSEL/MZ. 

Manchen Streichungen hat sich der Kaiser strikt widersetzt. Als um die Wende zum 20. Jahrhundert ein gewisser Konrad Duden sich in Deutschland daran machte, die Rechtschreibung zu vereinheitlichen, da reagierte Wilhelm II. höchst pikiert. "Am Thron rührt mir keiner", soll der Herrscher dekretiert haben. Er fürchtete keineswegs einen Umsturz, wohl aber, dass Dudens Rechtschreibreform ihm das H im Thron kosten könnte. Und ein Tron, das erschien einem Mann mit dem Machtanspruch eines Wilhelm II. dann doch etwas mickrig.

Zuschüsse werden halbiert

Um das Ansehen des letzten deutschen Kaisers ist ohnehin nicht gut bestellt. Nicht nur wegen seiner Leistung vor der Geschichte. Auch die Niederlande will Wilhelm II. nicht mehr haben. Das Museum in Schloss Doorn nahe Utrecht, auf das sich der Herrscher nach seiner Abdankung zurückgezogen hatte, steht vor dem Aus. Die niederländische Regierung hat die jährlichen Zuschüsse in Höhe von 400 000 Euro halbiert, es muss gespart werden. Wenn das Parlament an den Kürzungen festhalte, drohe schon 2013 das Ende, warnte Herman Sietsma, der Verwalter von Haus Doorn. Zusammen mit Freiwilligen kümmert er sich um das rund 35 Hektar große Anwesen. Wilhelm II. hatte es 1920 gekauft - von Baronesse Heemstra de Beaufort, einer Tante der Schauspielerin Audrey Hepburn. Zwar wurde der Grundbesitz des Kaisers in Deutschland eingezogen, seinen Privatbesitz aber ließ Wilhelm II. in fast sechzig Güterwaggons nach Holland bringen. Dort lassen sich nun Säbel, Gemälde und Silbergeschirr bestaunen, die Wilhelm II. sein eigen nannte. Und auch das Mausoleum, in dem er nach seinem Tod 1941 seine Ruhe fand. Denn nach Deutschland, so hatte der letzte Kaiser es verfügt, wolle er nur zurückkehren, wenn die Monarchie wiederhergestellt sei. Dazu ist es nicht gekommen. So hatte Wilhelm II. nur noch einen letzten, peinlichen Auftritt vor der Geschichte, als er 1940 die einmarschierende deutsche Besatzungsarmee begrüßte.

Heim für den Lebensabend

Schon sein Weg in die Niederlande selbst verlief nicht glücklich. 24 Stunden ließ ihn Königin Wilhelmina im November 1918 im Zug warten, ehe die Monarchin die Einreise erteilte und Wilhelm II. im Exil einem drohenden Prozess wegen Kriegsverbrechen entging. Der abgedankte Kaiser mühte sich redlich, ab 1920 die Hofetikette auf seinem letzten Reich in Doorn wiedereinzuführen. Die Tage selbst verbrachte er überwiegend mit seiner Lieblingsbeschäftigung: Holzhacken. Tausend Bäume sollen in Doorn gefallen sein, andere Quellen berichten gar von elftausend. Axt anlegen, nicht am Thron. Aber doch am Dickicht der Geschichte.