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Misshandlung in Bosnien: Mindeststrafe für die Versklavung einer Frau

Uhr | Aktualisiert 23.01.2013 23:15 Uhr

Ein Nachbar zeigt ein Foto der inzwischen 19-jährigen jungen Frau aus Deutschland. (ARCHIVFOTO: DAPD)

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Weil er eine junge Deutsche mehr als sechs Jahre lang als Sklavin gefangen gehalten hat, ist ein Bosnier am Dienstag zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.
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Eisleben/MZ

Was wird die 19-jährige Bettina S. aus dem Landkreis Mansfeld-Südharz nun empfinden: Genugtuung oder Entsetzen? Ihr Peiniger, der sie in Bosnien sieben Jahre lang wie ein Sklavin behandelt haben soll, kommt zwei Jahre hinter Gitter. Nachbarn in Eisleben und Naumburg, wo ihre Familie lange Zeit gewohnt hat, reagieren betroffen auf das ihrer Meinung nach milde Urteil. Zwei Jahre Haft sind die Mindeststrafe, die das bosnische Recht für „grausame Freiheitsberaubung“ vorsieht. Acht Jahre Gefängnis sind möglich. Die Staatsanwaltschaft in Kalesija will Berufung einlegen.

Nach Ermittlungen der bosnischen Justiz hatten der Mann und dessen Frau die Deutsche jahrelang misshandelt. Laut Admir Arnautovic, Sprecher der Staatsanwaltschaft, musste die damals noch Minderjährige hungern und schuften. Außerdem durfte Bettina S. nicht in die Schule gehen. Vor Besuchern wurde sie abgeschottet. Erst im Mai 2012 hatte die Polizei den kleinen Bauernhof besetzt und die Gefangenschaft beendet. Dem Einsatz war ein Hinweis aus der Nachbarschaft vorausgegangen. Medienberichten zufolge hatte ein Mann fotografiert, wie die junge Frau einen Pferdewagen ziehen musste.

Wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin am Mittwoch bestätigte, soll sich Bettina S. „an einem sicheren Ort“ befinden. Wo genau, darüber geben die Behörden keine Auskunft. Familienangehörige wollen sich auch nicht äußern. Unklar ist der Aufenthalt der Mutter, die Bettina S. im Jahr 2005 in die Obhut des Bosniers gab.

Hinter dem Opfer, heißt es von bosnischer Seite, liege eine Zeit intensiver medizinischer Behandlung. Ärzte und Psychologen hätten versucht, gesundheitliche Schäden zu lindern. Nach Polizeiangaben aus Kalesija wies die junge Frau bei ihrer Befreiung viele Verletzungsnarben auf. Hinzu kamen die Folgen der seelischen Belastungen.

Für den Angeklagten Milenko M., der im Verlaufe des Gerichtsverfahrens ein Geständnis ablegte, konnte der Prozess laut Medienberichten nicht besser laufen. Möglicherweise bleibt er auch noch einige Zeit auf freiem Fuß. Offen blieb nämlich, wann der verurteilte Mann die Haft antreten muss. Der Prozess in gleicher Sache gegen seine Frau läuft noch. Sie bestreitet die Vorwürfe.

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