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Kommentar zum Video des Zugunglücks in Bad Aibling: Botschaft mit fatalen Folgen

Rettungskräfte an der Unfallstelle des Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling

Rettungskräfte an der Unfallstelle des Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling

Foto:

dpa

Bad Aibling -

Natürlich leben wir in einer Zeit, in der Bilder immer wichtiger werden. Auch die unwichtigen. Jene, die man früher gar nicht erst in die Nähe eines Fotoalbums gelegt hätte. Die bestenfalls als Kontaktabzüge überdauert hätten. Heute kann man das alles bei Facebook unterbringen.

Hinzu kommt die Chance, selbst Filme zu drehen. Jeder ist nun Herr der Wackelbilder, die er mit seinem Smartphone gefischt hat. Für beides, Fotos wie Bewegt-Bilder aber gilt: Wer sie herstellt, hat auch die Verantwortung dafür. Wer sie verbreitet, ebenfalls.

Im Falle des Reisenden, der jetzt in Bayern minutenlange Aufnahmen in einem der verunglückten Züge gedreht und dann zur öffentlichen Verfügung gestellt hat, ist dieser Verantwortung nicht entsprochen worden. Denn erstens verletzt die ohne Erlaubnis geschehene Aufnahme und Verbreitung von Bildern, die Dritte zeigen, deren Persönlichkeitsrecht – zumal, wenn es sich um Verletzte oder gar Tote handelt. Zweitens: Was können diese Bilder schon leisten, außer ein gewisses Sensationsbedürfnis zu befriedigen? Wenn selbst die honorige ARD-„Tagesschau“ mit solchen Sequenzen handelt, ist das nur ein Beleg mehr dafür, dass in dieser Hinsicht alle Dämme zu brechen scheinen: Halte die Kamera drauf, heißt die Botschaft. Oder: „Je blutiger, um so authentischer.“

Das Fatale sind die Folgen. Es gibt immer Nachahmer, die in solchen Vorgängen wie dem beschriebenen einen Präzedenzfall erkennen, der die ethischen Grenzen verschieben würde. Und genau das geschieht ja tatsächlich. Man wird es vielleicht nicht aufhalten können, aber es sollte wenigstens jeder eine Meinung dazu haben. In den Medienbetrieben sowieso.