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Braune Spree: Anwohner befürchten Gefahr für Umwelt und Tourismus

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Bräunlich-Rot ist das Wasser eines Fließes am Naturspreewaldhafen in Ragow nahe Lübben (Brandenburg) gefärbt. Nach dem Ende vieler Lausitzer Braunkohletagebaue macht ansteigendes Grundwasser Mensch und Natur zu schaffen. (FOTO: DPA) 
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Die Spree färbt sich in einigen Regionen der Lausitz braungelb. Ursache sind meist Zuflüsse aus stillgelegten Braunkohletagebauen. Anwohner befürchten eine Gefahr für Umwelt und Tourismus.
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Lübbenau/Potsdam/dpa. 

Die zunehmende Braunfärbung der Spree in der Lausitz treibt Anwohnern Sorgenfalten auf die Stirn. Angler, Fischer, Landwirte, Naturschützer und Kommunalpolitiker befürchten Schäden für Flora und Fauna sowie für den Tourismus. Die braungelbe Brühe besteht aus Eisenhydroxid und stammt vor allem aus sanierten Braunkohlegebieten, wo der Stoff von wiederansteigendem Grundwasser ausgewaschen wird. Auch Sulfat gelangt auf diese Weise in den Fluss.

Aktive Tagebaue des Bergbaubetreibers Vattenfall steuern ebenfalls ihren Anteil bei. Betroffen sind die Spree, die Kleine Spree und die Schwarze Elster. Der größte Teil der braunen Fracht wird in der Talsperre Spremberg (Spree-Neiße) aufgefangen. Weiter flussabwärts ist das Unesco-Biosphärenreservat Spreewald bedroht.

„Es geht hier um viele Arbeitsplätze in der Tourismusbranche“, warnt Peter Stephan, Chef des Tourismusverbandes Spreewald. Eine zunehmende Versauerung der Spree könnte auch das Trinkwasser der Städte und Gemeinden sowie von Berlin gefährden. Bisher sind die Mengen nach Behördenauskunft aber nicht gesundheitsschädigend.

Dennoch dringt Brandenburgs Landtag auf Initiativen gegen die wachsende Belastung der Spree. Auf Antrag der Grünen-Fraktion wollen die Abgeordneten deshalb in der Sitzung am Donnerstag über die Besorgnis erregende Verfärbung des Flusses diskutieren. Zum Thema sollen drei Entschließungsanträge vorliegen.

„Wir sehen in der Verockerung der Spree eine Gefahr für Tiere und Pflanzen im Spreewald und für den Tourismus“, sagt Jana Eitner vom Tourismusverein Burg (Spree-Neiße). „Diese Stoffe kommen hier auch aus den ehemaligen Braunkohletagebauen Schlabendorf und Seese-Ost und haben bereits südliche Randbereiche des Spreewalds erreicht“, berichtet die Sprecherin des Aktionsbündnisses „Klare Spree“. Es hatte sich im vergangenen Dezember in Raddusch gegründet und vereint Partner zwischen Spremberg und Lübbenau.

Wie Umweltministerin Anita Tack (Linke) versichert, beobachten die Umweltressorts in Brandenburg und Sachsen mit Sorge das Problem der Spreefärbung. Die zuständigen brandenburgischen Behörden für Umwelt und Bergbau hätten die Gefahr der bergbaubedingten Stoffeinträge frühzeitig erkannt und bereits 2008 erste Untersuchungen angeordnet. „Eine Lösung des komplexen Problems ist allerdings schwierig und langwierig“, betont Tack.

Experten für Bergbausanierung schätzen, dass für diese Arbeiten etwa 100 Jahre veranschlagt werden müssen. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Sanierungsgesellschaft (LMBV) plant ab 2014 den Bau von Gräben, Drainagen, Brunnensystemen und unterirdischen Dichtwänden, um die aus Kippenböden ausgewaschenen Schadstoffe herauszufiltern. Außerdem soll die Grundwasser-Aufbereitungsanlage im Spremberger Ortsteil Schwarze Pumpe genutzt und die alte Anlage im sächsischen Burgneudorf wiederbelebt werden.

„Dazu wird zurzeit ein Projektantrag vorbereitet“, sagt der LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz). Das Vorhaben solle dann im April dem Steuerungs- und Budgetausschuss für die Braunkohlesanierung vorgelegt werden. Dort sitzen die Geldgeber - der Bund und die Braunkohleländer -, die über das Millionenvorhaben entscheiden.

Im Sanierungstopf der LMBV liegen für die Jahre 2013 bis 2017 rund 1,23 Milliarden Euro Steuergelder, davon allein 590 Millionen für die brandenburgische Lausitz. Die von der braunen Spree Betroffenen hoffen, dass genug Geld für das langfristige Projekt eines sauberen Flusses abfällt.

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