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Bonn: Konstruktionsfehler der Bombe rettet Leben

Uhr | Aktualisiert 14.12.2012 21:33 Uhr
Polizeifahrzeuge stehen am 10.12.2012 vor dem Bahnhof in Bonn. Die Bombe im Bonner Hauptbahnhof ist nach WDR-Informationen ferngezündet worden, aber nicht detoniert. Der Sprengsatz sei fehlerhaft konstruiert gewesen, berichtete der Westdeutsche Rundfunk am Freitag. Die Polizei wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren. (FOTO: DPA) 
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Der versuchte Bombenanschlag im Bonner Hauptbahnhof war offenbar die Tat von Terroristen. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat am Freitag die Ermittlungen von der Bonner Staatsanwaltschaft übernommen.
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Köln/karlsruhe/MZ. 

Die Täter sollen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der islamistischen Szene stammen. "Das schnelle Ergebnis zeigt das entschlossene Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegen gefährliche Extremisten", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD).

Die Täter sollen die Bombe nicht nur abgelegt, sondern auch gezündet haben - die Zündung löste aber keine Explosion aus. Dies ist eine von mehreren Thesen, die Ermittler des Landeskriminalamts bei der Untersuchung des Sprengsatzes überprüfen.

Nach Informationen von "Spiegel Online" könnte es sein, dass ein Konstruktionsfehler eine Detonation verhindert hat. Die Täter sollen keinen Sprengsatzverstärker verwendet haben, sondern eine Glühbirne. Nachdem Spezialisten die blaue Nylontasche mit einem Hochdruck-Wasserstrahl zerstört hatten, fanden die Ermittler eine Glühbirne im Gleisbett. Der Sprengsatz soll Ähnlichkeit mit einer Bombenbauanleitung haben, die Al Qaida in einem Internet-Magazin im Jemen verbreitet. Dies berichtet der "Tagesspiegel".

Die polizeilichen Ermittlungen führt nun das Bundeskriminalamt (BKA). Mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen wollten sich weder Bundesanwaltschaft noch BKA zu Details der Fahndungsergebnissen äußern. Innenminister Jäger sieht die Einschätzung der Sicherheitsbehörden, Deutschland sei "im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus", bestätigt. "Es war richtig, dass Polizei und Verfassungsschutz seit Jahren alle Erkenntnisse über salafistische Gruppierungen zusammengetragen haben." Er betonte, dass die Salafisten nicht im Namen der vier Millionen friedliebender Muslime in Deutschland handeln, sondern nur eine verschwindend kleine Minderheit darstellen.

Die Kölner Polizei teilte mit, dass seit einer Pressekonferenz am Mittwoch und der Veröffentlichung eines Videos aus der McDonald's-Filiale im Bonner Hauptbahnhof mehr als 300 Hinweise eingegangen sind. Mehr als 20 Ermittler sind zudem damit beschäftigt, Videomaterial mit einem Gesamtvolumen von rund 50 Terabyte auszuwerten - das entspricht fast 11 000 DVDs.

Die erste Meldung auf die Tasche war am Montag um kurz vor 13 Uhr eingegangen: Ein Mann mit einem Sprachfehler hatte eine Mitarbeiterin des Service Points im Bahnhof auf das verdächtige Gepäckstück aufmerksam gemacht. Beamte der Bundespolizei waren 15 Minuten später bei der Tasche, kurz darauf wurde der Bahnhof geräumt.

Dass es erneut nur die Unfähigkeit der Täter war, die Bonn vor einer Katastrophe bewahrt hat, würde ins Bild der Ermittler passen. Auch der Anschlag der Kölner Kofferbomber misslang 2006 nur aufgrund eines Baufehlers. Die Wecker lösten zwar zur eingestellten Zeit die Zündung aus, das Gas-Benzin-Gemisch konnte aber mangels Sauerstoff nicht explodieren.

Terroranschläge im Ausland sind in den vergangenen Jahren ebenfalls immer wieder gescheitert, weil die Sprengsätze falsch konstruiert waren. So versagten im Juli 2005 in London die Zünder selbst gebastelter Bomben, die in vier U-Bahn-Zügen hochgehen sollten. Zwei Wochen vorher hatte eine erste Anschlagsserie 52 Menschen das Leben gekostet.

Dass die Sprengsätze häufig versagen, wird von Experten für gewöhnlich damit erklärt, dass die Täter eben keiner schlagkräftigen Organisation angehören, sondern in einer kleinen Gruppe meist auf eigene Faust handeln. Dabei greifen sie auf Anleitungen aus dem Internet zurück - tatkräftige Hilfe von geschulten Sprengstoff-Experten steht ihnen hingegen nicht zur Verfügung.

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