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Autokraftstoff: Sibirischer Winter rafft Dieselfahrzeuge dahin

Uhr | Aktualisiert 07.02.2012 13:01 Uhr
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Vereiste Autos in Genf

Vereiste Autos in Genf: Auch sogenannter Polardiesel, der bis 40 Grad Frost fließt, würde diesen Fahrzeugen nichts nützen. (FOTO: DPA)

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Die bittere Kälte legt im Süden und Osten Deutschlands immer mehr Autos mit Dieselmotor lahm. Die Autoclubs berichten von Hunderten Notrufen, weil Dieselfahrzeuge trotz voller Batterie nicht anspringen oder sogar in voller Fahrt absterben.
München/Hamburg/dapd. 

Bei den betroffenen Autos können die Pannenhelfer aber wenig ausrichten: Der Kraftstoff friert bei deutlich unter minus 20 Grad ein. Am schlimmsten war die Lage am Montag in Vorpommern und anderen östlichen Regionen Deutschlands sowie in Höhenlagen, etwa in Wintersportgebieten in Bayern.

Bei Frost bilden sich im Diesel Paraffinkristalle, die den Kraftstofffilter verstopfen können. Die Ölkonzerne garantieren, ihre Dieselprodukte seien im Winter bis minus 22 Grad Celsius flüssig. In der Nacht zum Montag wurden aber Temperaturen bis minus 28 Grad und kälter gemessen.

Der ADAC berichtete von Hunderte Hilferufen aus den Wintersportgebieten, weil Dieselautos nicht mehr anspringen oder nach kurzer Fahrt den Geist aufgeben. In Vorpommern und Mecklenburg berichtete der ADAC von bis zu 60 Fällen, auch in Brandenburg riefen zahlreiche Dieselfahrer die «Gelben Engel» um Hilfe.

In Rostock war ein Einsatzfahrzeug des ADAC selbst vom versulzten Sprit betroffen, wie Techniker den chemischen Vorgang nennen. «Der Kollege konnte sich aber selbst helfen», sagte der zuständige ADAC-Einsatzleiter Holger Adams. In Sachsen froren an einer Shell-Tankstelle mehrere Diesel-Zapfsäulen ein, wie ein Konzernsprecher in Hamburg mitteilte.

Der Automobilclub AvD berichtete von zahlreichen Pannen in den süddeutschen Höhenlagen. «Etwa in Oberstdorf sieht es ganz schlimm aus», sagte AvD-Sprecher Dirk Vincken. In dem bayerischen Bergort wurden unter minus 28 Grad Celsius gemessen. Laut Vincken blieben Dieselfahrer dort «reihenweise liegen».

ADAC rät von Experimenten mit offener Flamme ab

In Rottenacker südlich von Ulm versuchten zwei Männer, den Diesel-Tank einer Sattelzugmaschine mit einem Gasbrenner zu erwärmen. Sie setzten sich selbst in Brand und wurden schwer verletzt.

Von solchen Experimenten mit offener Flamme am Motor rät ADAC-Fachmann Adams dringend ab: «Das ist lebensgefährlich.» Wenn es aber ein Auto erwischt, kann auch der ADAC bei einem versulzten Motor nicht mehr viel machen. «Der muss abgeschleppt werden, so viele neue Kraftstofffilter haben wir nicht an Bord», sagte Adams. In einer Werkstatt oder Garage muss der Wagen auftauen und braucht möglicherweise einen neuen Filter.

Zur Vorbeugung kann der Autofahrer zum Beispiel in einer warmen Garage parken. Auch eine Standheizung könnte helfen. Der Ölkonzern Aral, aber auch Konkurrenten bieten eine Premiumsorte Diesel an, die bis zu minus 24 Grad funktioniert. Sogenannter Polardiesel, der bis 40 Grad Frost fließt, ist in Deutschland im Alltag nicht zu bekommen.

Früher hatten Dieselfahrer ein paar Liter Benzin dazugemischt, denn Benzin ist frostsicher. Techniker warnen dringend davor, so etwas bei den modernen Dieselmotoren zu tun. Diese hochgezüchteten Triebwerke würden das wesentlich explosivere Benzin nicht überleben.

Laut AvD erreichen nicht alle Dieselsorten in Deutschland die per DIN-Norm vorgeschriebene Winterfestigkeit von minus 20 Grad. In der Ölbranche wird auch auf sogenannte Grauimporte aus Osteuropa hingewiesen, die nicht den deutschen Vorschriften entsprechen. Außerdem gibt es noch Dieselfahrer, die verbotenerweise Heizöl in den Tank kippen. Heizöl aber ist nicht frostsicher.

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