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Abfall-Import: Urlauber und Hoteliers haben Angst vor Müllorca

Uhr | Aktualisiert 14.01.2013 20:34 Uhr
In der Verbrennungsanlage Son Reus auf Mallorca sind bereits die ersten 140 Tonnen Müll aus Katalonien eingetroffen. (FOTO: DPA) 
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Hunderttausende Tonnen Abfall sollen auf Europas beliebteste Urlaubsinsel entsorgt werden. Bewohner und Hoteliers laufen nun dagegen Sturm.
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Madrid/MZ. 

Europas beliebteste Urlaubsinsel könnte bald einen neuen Namen haben: Müllorca statt wie bisher Mallorca. Denn wenn die konservative Inselregierung ihre Pläne weiter vorantreibt, wird das Ferienparadies bald Hunderttausende Tonnen Abfall aus dem Ausland importieren. "Wir wollen nicht der Misthaufen Europas werden", stand auf Protestschildern in der Inselhauptstadt Palma, als dieser Tage per Fähre die ersten Lastwagen mit Importmüll eintrafen und dann zur Verbrennungsanlage Son Reus im Norden Palmas rollten.

Doch es sieht nicht so aus, als ob die verantwortlichen Inselpolitiker im Müllkrieg am Ballermann einlenken wollten. Seit Monaten hagelt es Proteste: Anwohner der Müllöfen, Umweltschützer und Hoteliers laufen Sturm dagegen, dass die Insel zur internationalen Müllkippe werden soll. Sie protestierten sogar mit Gasmasken vor dem Sitz der Inselregierung in Palma. Die Tourismuswirtschaft fürchtet vor allem, dass das Image der paradiesischen Insel in Mitleidenschaft gezogen wird und dann die Urlauber wegbleiben.

Bisher sei Mallorca mit etwa neun Millionen Touristen pro Jahr noch Europas wichtigstes Reiseziel. Doch mit dem Abfallimport im großen Stil werde sich die Insel "in eine Supermacht des Mülltourismus verwandeln", befürchtet Magdalena Palou, Sprecherin der linken Opposition im Inselparlament. "Die Euroscheiße ist schon da", prangte auf einem Transparent, dass Palou und andere Demonstranten vor der Müllverbrennungsanlage in die Höhe hielten. In der Umgebung der Öfen gebe es jetzt schon eine erhöhte Schadstoffbelastung. Das werde wohl künftig noch schlimmer.

Mallorcas Umweltministerin Catalina Soler und die private Betreibergesellschaft Tirme des Müllofens teilen diese Bedenken nicht. Sie nennen die Mülleinfuhr lieber "Brennstoff-Import", denn es werde mit der Verbrennungsanlage Strom produziert. Umweltrisiken gebe es nicht, auch andere Länder wie etwa Deutschland verdienten schließlich Geld mit Abfallimport. Das sei alles ganz legal und durch europäische Gesetze gedeckt. Margalida Ramis vom Weltverband GOB sprach derweil von "Lügen und Betrug". Mit der Müllverbrennung auf der Mittelmeerinsel werde "die öffentliche Gesundheit aufs Spiel gesetzt".

Rund 100 000 Tonnen Müll sollen im Laufe des Jahres nach Mallorca verschifft werden. Wenn alles wie geplant läuft, könnte es im nächsten Jahr auch doppelt so viel werden. Die ersten Müll-Laster kamen aus der nordspanischen Stadt Sabadell. Es laufen aber auch Verhandlungen mit anderen Städten, die nicht wissen, wohin mit ihrem Müll. Auch aus dem Ausland könnte also künftig Abfall nach Mallorca reisen.

Hintergrund dieser umstrittenen Müllgeschäfte ist, dass die Verbrennungsanlage San Reus bei Palma nicht ausgelastet ist und finanzielle Verluste macht. Dabei war die Anlage erst in den letzten Jahren erweitert worden, weil die Touristeninsel im eigenen Müll zu ertrinken drohte. An kaum einem anderen Ort in Europa wurde damals so viel Müll pro Einwohner produziert wie auf dem Ferieneiland. Vor allem durch den Tourismus- und Bauboom, der die Wirtschaft der Insel viele Jahre blühen ließ.

Doch als die neuen Verbrennungsöfen fertig waren, brach mit Spaniens Wirtschaftskrise auch die Müllkrise aus: Es wurde weniger gebaut, weniger gekauft, der Tourismus wuchs nicht mehr, es wurde weniger weggeworfen. Statt der kalkulierten 700 000 Tonnen Müll, für welche die Verbrennungsanlage ausgelegt wurde, kommen nun nur noch etwa 480 000 Tonnen Abfall im Jahr zusammen.

Das ist zwar umweltpolitisch gesehen eine ziemlich gute Nachricht. Doch aus der Sicht der Tirme-Müllmanager eine Katastrophe und zu wenig, um mit den drei hochmodernen Müllöfen in Palma noch Geld zu verdienen.

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