Online-Aktionsankündigung-Einlaufkinder-RBL
Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt
Mitteldeutsche Zeitung | Nach Unfall auf A46 bei Iserlohn: Eltern erfahren auf Facebook vom Tod ihrer Kinder
12. January 2016
http://www.mz-web.de/23457564
©

Nach Unfall auf A46 bei Iserlohn: Eltern erfahren auf Facebook vom Tod ihrer Kinder

Blaulicht an einem Polizeiauto. (Symbolfoto)

Blaulicht an einem Polizeiauto. (Symbolfoto)

Foto:

dpa

Iserlohn -

Bei einem Verkehrsunfall auf der A46 bei Iserlohn kamen in der Nacht zu Montag zwei junge Menschen ums Leben. In Fahrtrichtung Brilon hatte ein 22-jähriger Audi-Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und war von der Fahrbahn abgekommen.

Das Auto überfuhr die abgesenkte Schutzplanke, prallte gegen mehrere Bäume und überschlug sich mehrfach. Der Fahrer wurde bei dem Unfall aus dem Wagen geschleudert, der Beifahrer blieb im Wrack. Beide Insassen, der 22-jährige Fahrer, sowie sein 17-jähriger Bruder auf dem Beifahrersitz, verstarben noch am Unfallort.

Was ohnehin schon eine tragische Geschichte ist, wurde durch die Aktion eines Schaulustigen noch dramatischer. Denn bevor die Polizei die Angehörigen informieren konnte, stellte ein Schaulustiger seine Fotos vom Unfall ins Internet - noch während der Bergung.

„In was für einer Gesellschaft möchte ich leben?“

Es gebe zwar häufiger Menschen, die bei Unfällen Fotos schießen und die Aufnahmen ins Netz stellen, sagt Kim Freigang, Sprecher der Dortmunder Autobahnpolizei gegenüber dem WDR. Dass ein solcher Vorgang aber so unmittelbar nach dem Unfall geschieht, sei aber „bedenklich.“

„In was für einer Gesellschaft möchte ich leben? Möchte ich selber persönlich vom Unfalltod meiner Liebsten über ein reißerisches Posting bei Facebook lesen?“ so Freigang weiter.

Die Eltern der beiden tödlich verunglückten Brüder aus Balve waren durch ein Facebook-Posting auf den Unfall aufmerksam geworden. Die Angehörigen kamen daraufhin zur Unfallstelle, ein Notfallseelsorger und ein Notarzt mussten sich um sie kümmern.

Der schaulustige Fotograf wird für sein Handeln aller Voraussicht nach nicht strafrechtlich belangt werden. Das sei nach erster Einschätzung der Staatsanwaltschaft nicht möglich. (msc)