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Ami-Schlitten: US-Kult-Autos kommen wieder zu uns

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Als Chevrolet am Rande der Motorshow in Detroit die neue Corvette C7 enthüllte, hat das Publikum so laut gejubelt wie beim Gewinn des Superbowl.   (BILD: dpa)
Bei uns sin Ford Mustang und Chevrolet Corvette Exoten, doch in den USA haben diese Autos Kultstatus. Ihre Neuauflagen sollen auch in Europa verkauft werden. Auch die neue Viper könnte es über den Ozean schaffen.
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So etwas gibt es nur in Amerika: Als Chevrolet vor ein paar Wochen am Rande der Motorshow in Detroit die neue Corvette enthüllte, hat das Publikum so laut gejubelt wie beim Gewinn des Superbowl. Und als wenig später das erste Exemplar des C7 genannten Sportwagens versteigert wurde, hat ein Sammler dafür mehr als eine Million Dollar bezahlt – und damit mehr als das Zehnfache des Listenpreises. „Dieses Auto ist einfach Kult“, sagt der amerikanische Chevrolet-Chef Mark Reuss und will damit die Begeisterung erklären, die eine Corvette entfachen kann.

Doch mit dem Erfolg in der Heimat will sich Chevrolet nicht länger begnügen. Technisch viel ausgereifter als früher, mit einem rund 450 PS starken V8-Motor mit Zylinderabschaltung und einem gründlich aufgewerteten Innenraum soll die Corvette die Welt erobern. „Das Auto ist internationaler als je zuvor“, sagt Designchef Ed Welburn. Er hofft, dass die Schnellfahrer auch diesseits des Atlantiks gefallen an der neuen Formensprache finden. Im Herbst, so heißt es bei Chevrolet, soll der Verkauf auch in Deutschland beginnen. Preise stehen noch nicht fest, werden aber wie beim Vorgänger wohl bei um die 80.000 Euro und damit weit unterhalb europäischer Konkurrenzmodelle liegen.

Ford Mustang und Dodge Viper

Ford plant den Verkauf des Sportwagen-Klassikers Mustang in Neuauflage auch diesseits des Ozeans – hier die Version Shelby GT500.

Ford plant den Verkauf des Sportwagen-Klassikers Mustang in Neuauflage auch diesseits des Ozeans – hier die Version Shelby GT500.  (BILD: Hersteller)

Auch eine zweite US-Ikone ist auf dem Sprung über den Ozean: Wenn im nächsten Jahr pünktlich zum 50. Geburtstag die Neuauflage des Ford Mustang in den Handel kommt, soll es ihn erstmals auch offiziell in Europa geben. Das hat Konzernchef Alan Mulally angekündigt. Es bleibt dem Vernehmen nach beim Heckantrieb und bei Sechs- und Achtzylindermotoren. Ansonsten wollen die Amerikaner das Auto mit Blick auf den Export aufrüsten, hört man in Unternehmenskreisen: Ein aufwendigeres Fahrwerk, etwas mehr Elektronik und ein Innenraum mit weniger Plastik stehen im Lastenheft für die Neuentwicklung.

Noch offen ist, ob es noch ein anderes Kultmodell aus Amerika wieder über den Atlantik schafft: die Viper. Die sportliche Speerspitze aus dem Chrysler-Konzern ist mit ihrem 8,4 Liter großen und 640 PS starken V10-Motor der absolute Macho unter den Muscle Cars. Im vergangenen Herbst wurde der Wagen neu aufgelegt. Und nachdem es das Auto in der Vorgängergeneration zumindest zwischendurch auch in Europa zu kaufen gab, prüfen die Amerikaner jetzt wieder den Export: „Entschieden ist noch nichts. Aber wir denken darüber nach, die Viper über eine kleine Anzahl unserer Händler auch hier zu verkaufen“, sagt Markus Hauf, der bei Fiat Deutschland für die US-Marken aus der Chrysler-Gruppe spricht.

Pick-ups nur bei freien Importeuren

Es sind aber nicht nur die tief auf dem Asphalt kauernden Kraftmeier, die sich in Amerika großer Beliebtheit erfreuen. Neben Sportwagen sind das vor allem Pick-ups. Nicht umsonst dominiert der Ford F-150 seit vier Jahrzehnten die jährliche Zulassungsstatistik in Amerika so deutlich wie die in Deutschland der VW Golf. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit, als Ford im Januar auf der Motorshow in Detroit mit der Designstudie Atlas einen Ausblick auf den nächsten F-150 gab. „Wir werden den Bestseller in jeder Disziplin verbessern“, versprach Ford-Chefentwickler Raj Nair und bezog sich unter anderem auf das Platzangebot in der Kabine, die Transportleistungen – und auch den Verbrauch.

Pritschenwagen, wie ihn Amerikaner lieben: die Ford-Studie Atlas als Ausblick auf die Neuauflage des F-150.

Pritschenwagen, wie ihn Amerikaner lieben: die Ford-Studie Atlas als Ausblick auf die Neuauflage des F-150.  (BILD: Hersteller)

„Auch bei den Pick-ups hat längst ein Umdenken eingesetzt“, urteilt Matt Trommer vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Detroit: „Mit neuen Motoren, leichteren Karosserien und sogar mit Start-Stopp-Systemen schauen die Hersteller sehr wohl auf den Verbrauch.“ So exotisch die rustikalen Riesen außerhalb Amerikas anmuten, haben sie auch hierzulande ihre Fans. Doch können sie in aller Regel nur bei freien Importeuren gekauft werden, die Pritschenautos wie den Chevrolet Silverado oder RAM 1500 ins Land holen. Und nach wie vor sieht Ford den F-150 nicht für Europa vor.

Egal ob Muscle Car oder Pick-up, ob offizieller Markenhändler oder freier Importeur: Die Fans freuen sich schon auf die neuen US-Modelle. „Ein amerikanisches Auto hat sein ganz besonderes Flair“, sagt Peter Brakes vom US-Carclub NRW. „Diese Autos verkörpern den ,American Way of Life' und vermitteln einem ein Gefühl von Freiheit, Kraft und Stärke“, schwärmt der Club-Präsident aus Wickede. Außerdem hebe sich das amerikanische Design auf unseren Straßen wohltuend vom Einheitsbrei der Europäer und Asiaten ab. Dabei gehe es den wenigsten Fans selbst bei den Sportwagen um die Geschwindigkeit, sagt Brakes. „Ein US-Auto fährt man vor allem zum Cruisen und hält es dabei mit dem Geist aus der Elvis-Ära: Let the good times roll.“ (dpa, dmn)

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