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Wickelstrümpfe: Russische Armee schafft Fußlappen ab

Uhr | Aktualisiert 16.01.2013 20:34 Uhr

Ein Stück Kulturgeschichte verschwindet: der Fußlappen. (FOTO: DPA)

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Es gibt Dinge, die jedermann kennt, aber nicht von jedem verwendet werden. Automatikgetriebe zum Beispiel, die manchen an Rummelfreuden im Autoscooter erinnern. Und es gibt Dinge, von denen man gehört hat, deren Existenz einem aber unwahrscheinlich vorkommt. Hierzu müssen Fußlappen gezählt werden.
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Halle (Saale)/MZ. 

Es gibt Dinge, die jedermann kennt, aber nicht von jedem verwendet werden. Automatikgetriebe zum Beispiel, die manchen an Rummelfreuden im Autoscooter erinnern. Und es gibt Dinge, von denen man gehört hat, deren Existenz einem aber unwahrscheinlich vorkommt. Hierzu müssen Fußlappen gezählt werden.

Dabei sind diese Wickelstrümpfe offenbar enorm praktisch, sonst wären sie in der russischen Armee seit den Zeiten von Zar Peter dem Großen nicht bis auf den heutigen Tag verwendet worden. 300 Jahre lang. Das sagt doch alles. Immerhin ist Russland eine Weltmacht und schickt bemannte Raketen in den Kosmos. Also muss etwas dran sein an den 40 mal 40 oder auch 40 mal 80 Zentimeter großen Tüchern aus Flanell, die sich der Soldat nach genauer Vorschrift um die Füße wickelt.

In der DDR-Truppe sind sie bis 1968 gleichfalls noch beobachtet worden. Schweißbindend sollen sie sein und verhindern, dass sich der Stiefelträger Blasen läuft. Doch nun, in der dritten Amtszeit des notorischen Modernisierers Wladimir Putin als Präsident, soll den Russen das bewährte Kulturgut von den Beinen genommen werden. Stattdessen hat das zuständige Ministerium den Landesverteidigern Strümpfe verordnet. Stinknormale. "Bis Ende 2013 müssen wir das Wort Fußlappen vergessen", ordnete der forsche Ressortchef Sergej Schoigu der Zeitung "Komsomolskaja Prawda" zufolge an.

Doch wie immer steckt der Teufel im Detail: Die komplette Versorgung bis Jahresende werde schwierig, heißt es aus Moskau. Der russischen Sockenindustrie steht jedenfalls ein ungeheurer Aufschwung bevor.