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Landesmuseum für Vorgeschichte: Berühren ist erwünscht

Uhr | Aktualisiert 18.10.2004 18:01 Uhr
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Nachbildung der Himmelsscheibe für Blinde

Behutsam gleiten die Hände über die Nachbildung der Himmelsscheibe von Nebra. So können die Blinden einen plastischen Eindruck bekommen. (Foto: MZ)

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Berühren verboten! Hinweisschilder dieser Art findet man nahezu in jedem Museum, in jeder Ausstellung. Doch was soll derjenige machen, dem die optische Wahrnehmung versagt ist? Im Rahmen der Woche des Sehens fand am Donnerstag im Landesmuseum für Vorgeschichte eine spezielle Führung für blinde Hallenser sowie Rehabilitanden aus dem Berufsförderungswerk für Blinde und Sehbehinderte Halle statt. Noch bevor die spektakuläre Ausstellung "Der geschmiedete Himmel" am Donnerstagabend eröffnet wurde, gab Museumspädagogin Monika Bode am Vormittag den Behinderten einen Einblick in die Schau.
Halle/MZ. 

Berühren verboten! Hinweisschilder dieser Art findet man nahezu in jedem Museum, in jeder Ausstellung. Doch was soll derjenige machen, dem die optische Wahrnehmung versagt ist? Im Rahmen der Woche des Sehens fand am Donnerstag im Landesmuseum für Vorgeschichte eine spezielle Führung für blinde Hallenser sowie Rehabilitanden aus dem Berufsförderungswerk für Blinde und Sehbehinderte Halle statt. Noch bevor die spektakuläre Ausstellung "Der geschmiedete Himmel" am Donnerstagabend eröffnet wurde, gab Museumspädagogin Monika Bode am Vormittag den Behinderten einen Einblick in die Schau.

Die Führung lief ganz anders ab als ein normaler Museumsbesuch. Von wertvollen Exponaten, die hinter Vitrinenwänden liegen, haben Besucher wie Peter Stöss, der nur noch einen winzigen Sehrest hat, nichts. Der Hauptteil der Führung fand deshalb in einem separaten Raum statt, in dem Monika Bode ausgewählte Ausstellungsstücke und Nachbildungen auf Tische gelegt hatte. Und dort war das Berühren ausdrücklich erwünscht. "Das ist hier ein Pferd auf Rädern. Da ist ein Wagen dran. Auf ihm ist eine Scheibe mit verschiedenen Strukturierungen", beschrieb Detlef Ladewig, was er ertastete. Vor ihm stand eine Nachbildung des berühmten Sonnenwagens von Trundholm. Monika Bode erklärte, dass ein Bauer beim Pflügen auf das wertvolle Stück gestoßen war.

Auch für Victor Siebert war es unglaublich spannend, die verschiedenen Exponate aus dem Leben in der Bronzezeit zu ertasten. "Ich habe selbst ein Jahr lang an Ausgrabungen in Altenburg teilgenommen, bis es mit den Augen nicht mehr ging", erzählte er.

Da er selbst noch Sehreste hat, erklärte er Christian Simon, der völlig erblindet ist, was er noch sehen konnte. Nicht nur Exponate konnten ertastet werden, es war auch eine Gussform dabei. An ihr konnte man ertasten, wie beispielsweise bronzene Sicheln entstanden. Ganz langsam und immer wieder fuhr Martina Lange mit den Fingern darüber, um sich einen plastischen Eindruck zu verschaffen.

"Unsere Führung ist eine Generalprobe. Während der Ausstellungszeit bis zum 24. April sollen noch mehrere solche Führungen für sehbehinderte Menschen stattfinden", sagt Monika Bode, die bereits Erfahrung in der Museumsarbeit mit Blinden hat. Diese Führungen könnten jeweils für Montag gebucht werden.

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