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Fragen & Antworten: Landminen - Gefahr durch Kriegswaffen im Frieden

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Im Boden verborgene Landminen sind besonders heimtückische Waffen.
Hamburg/dpa. 

Ausgelöst schon durch das Gewicht eines Fußes auf dem Sprengkörper töten sie oft noch Jahrzehnte nach Kriegen Menschen, meist Zivilisten. In ganzen Regionen können Äcker und Wege oft nur unter Lebensgefahr genutzt werden.

Sind alle Landminen verboten?

Nein. Das UN-Abkommen gegen Minen (Ottawa-Konvention) von 1997 ächtet lediglich Minen, die ausschließlich gegen Menschen gerichtet sind. Den Unterzeichnerstaaten ist Einsatz, Entwicklung, Produktion, Lagerung und Handel mit Antipersonenminen verboten. Die Länder verpflichten sich zur Vernichtung ihrer Minen-Bestände. Landminen, die zum Beispiel auf Fahrzeuge zielen, sind von dem Abkommen ausdrücklich ausgenommen.

Welche Staaten haben das Abkommen nicht unterzeichnet?

Nach Informationen der 1997 mit dem Friedensnobelpreis geehrten Internationalen Kampagne für ein Verbot von Landminen (ICBL) haben 37 Länder die Konvention noch nicht unterzeichnet. Dazu gehören als einziges NATO-Mitglied die USA, Russland und China. Auch Israel, seine arabischen Nachbarn Syrien, Libanon und Ägypten, der Iran, die verfeindeten Nachbarn Indien und Pakistan, die Kaukasusrepubliken Armenien, Aserbaidschan und Georgien sowie beide koreanische Staaten haben bisher nicht zugestimmt.

Wie viele Landminen gibt es?

Nach Schätzung der Vereinten Nationen sind in mehr als 80 Ländern Menschen von insgesamt rund 110 Millionen Minen im Boden bedroht. Weitere 200 bis 220 Millionen Antipersonenminen sollen noch in den Arsenalen verschiedener Staaten lagern, meist in Ländern, die die Konvention von Ottawa nicht unterzeichnet haben. Etwa 44 Millionen gelagerte Minen wurden bisher von den Vertragsstaaten vernichtet. Seit 1999 wurden weltweit etwa 2,2 Millionen Antipersonenminen und 250 000 gegen Fahrzeuge gerichtete Landminen entschärft.

Welche Länder leiden am meisten unter Minen?

Das gemessen an der Fläche am stärksten durch Minen verseuchte Land ist nach Informationen des deutschen Aktionsbündnisses Landmine.de mit rund 6 Millionen verborgenen Sprengkörpern Kambodscha. In Ägypten sollen bis zu 23 Millionen Minen liegen, im Iran 16 Millionen und in Angola bis zu 15 Millionen. Jeweils 10 Millionen werden in Afghanistan, dem Irak, China und der Demokratischen Republik Kongo vermutet.

Wie viele Minenopfer sind zu beklagen?

Nach einer UN-Schätzung kommen monatlich rund 2000 Menschen durch eine Minenexplosion zu schaden, ein Drittel davon sind Kinder. Im Jahr 1997 starben nach UN-Angaben noch 26 000 Menschen nach der Detonation einer Mine. Seit dem Inkrafttreten der Ottawa Konvention verringerte sich die Zahl kontinuierlich. Von 1999 bis 2008 wurden laut ICBL in 119 Ländern insgesamt 73 576 Todesopfer offiziell registriert, davon allein im vergangenen Jahr 5197. Da nicht alle Minenopfer gezählt werden, liege die tatsächliche Opferzahl deutlich höher. Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass weltweit rund 500 000 schwer verletzte Minenopfer versorgt werden müssen.