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DDR-Geschichte: MDR-Reportage zu Misshandlungen in der Poliklinik Halle

Am Kühlen Brunnen verfällt die Poli Mitte seit Jahren.

Am Kühlen Brunnen verfällt die leerstehende "Poliklinik Mitte" seit Jahren.

Foto:

Günter Bauer

Halle (Saale) -

Hinter verschlossenen Türen erlebten in der Poliklinik Mitte in Halle Frauen zu DDR-Zeiten ein unvorstellbares Leid. Wochenlang wurden sie misshandelt und gedemütigt - „diszipliniert“, wie es offiziell hieß. Alles im Namen des Sozialismus. Erst mehr als 30 Jahre später kamen die Fakten ans Licht.

Seit den frühen 1960er Jahren konnten Frauen auf Basis des DDR-Gesetzbuches bei Verdacht auf Geschlechtskrankheiten in Krankenhäuser zwangseingewiesen werden. Im Volksmund wurden diese geschlossenen Abteilungen für Geschlechtskrankheiten „Tripperburgen“ genannt.

Hierarchisches Terrorsystem

Mehrfach hatte die Mitteldeutsche Zeitung 2012 und 2013 über Schicksale von Opfern berichtet, die hier erstmals von ihren furchtbaren Erfahrungen erzählten. Sie alle wurden dort wegen angeblicher Geschlechtskrankheiten behandelt. Doch was sie dort erlebten, war brutale Gewalt bei gynäkologischen Untersuchungen, kahlgeschorenen Köpfen und Schlafen auf dem Hocker als eine von vielen Strafen. Folgend wurde die dunkle Geschichte dieser Einrichtung wissenschaftlich untersucht. Die Studie „Disziplinierung durch Medizin“ wurde im Herbst 2014 im Mitteldeutschen Verlag veröffentlicht. Das Ergebnis: Nur ein kleiner Teil der Frauen hatte wirklich Geschlechtskrankheiten. 70 Prozent der Zwangseingewiesenen waren gesund, wie die Forschungen ergaben. Sie wurden nur eingewiesen, weil sie angeblich einen „asozialen Lebenswandel“ führten. Mehr als zwei Jahrzehnte dauerte das hierarchische Terrorsystem mit sozialistischem Erziehungsauftrag in der Poliklinik Mitte in Halle. Auswirkungen haben diese Erlebnisse für viele Frauen bis heute. Das Interesse an der Aufarbeitung des Geschehens ist so groß, dass das Buch mittlerweile in der dritten Auflage erschienen ist.

Die MDR-Reihe "Exakt - Die Story" widmet sich diesem Thema in ihrer Sendung am Mittwoch, 20.45 Uhr, mit dem Titel "Peiniger in weißen Kitteln – Im Auftrag des Politbüros". In der Reportage erzählen betroffene Frauen, wie sie bis heute mit diesem dunklen Kapitel DDR-Geschichte kämpfen. (mz/cwi)

Das Manuskript zur Sendung: