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Basketball: Uskoski feiert Weihnachten unterm Korb

Uhr | Aktualisiert 23.12.2012 19:54 Uhr

Seine Familie sieht Devin Uskoski an Weihnachten nur am Computer oder Handy. (FOTO: ECKEHARD SCHULZ)

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Wenn die Uskoskis irgendwo in der Nähe von Portland im US-Bundesstaat Oregon an Heiligabend Geschenke auspacken, ist es wieder wie so oft in den letzten Jahren: Man macht zunächst einmal den Computer an. Denn einer fehlt zu Weihnachten, Sohn Devin Uskoski. Der sitzt ein paar tausend Kilometer entfernt in Weißenfels.
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Weissenfels/MZ. 

Wenn die Uskoskis irgendwo in der Nähe von Portland im US-Bundesstaat Oregon an Heiligabend Geschenke auspacken, ist es wieder wie so oft in den letzten Jahren: Man trifft sich im Haus der Eltern, erzählt ein bisschen, freut sich, setzt sich zusammen - und macht zunächst einmal den Computer an. Denn einer fehlt zu Weihnachten, Sohn Devin Uskoski. Der sitzt ein paar tausend Kilometer entfernt in Weißenfels und wird per Internet-Telefonie in die traute Runde geholt.

Devin hat keine Zeit, nach Hause zu fliegen. Er muss mit dem Mitteldeutschen BC Basketball spielen. Denn die Bundesliga sieht so etwas wie eine Weihnachtspause nicht vor. Am zweiten Feiertag wird gespielt, der MBC empfängt die Gießen 46ers zum Kellerduell. "Es ist okay für mich, auch wenn ich natürlich gern bei meiner Familie gewesen wäre. Aber wir als Profis sind so etwas gewohnt", sagt der 27-Jährige.

Sport zu Weihnachten hat in Deutschland durchaus einen Beigeschmack. Es wird gern als Ausdruck der Säkularisierung gesehen. In anderen Ländern aber ist Sport an den Festtagen gang und gäbe, fast schon Pflicht. Zum Beispiel in England. Der Familienbesuch bei einem Sport-Ereignis am zweiten Feiertag hat dort Tradition. Und die englische Fußball-Liga, die Premier League, hat sich das zunutze gemacht. Dort wird immer am Boxing Day, also dem 26. Dezember, gespielt. Acht Spiele stehen am Mittwoch an. Der Spieltag hat auf der Insel eine ähnlich hohe Bedeutung wie vielleicht nur noch das Pokalfinale im Londoner Wembleystadion.

18 Spiele in der NBA

Auch die amerikanische Basketball-Liga NBA gönnt sich keine Pause. Dort haben die "Christmas Games" seit fast 70 Jahren Tradition. Am Dienstag gibt es fünf Spiele, am zweiten Feiertag, der in den Staaten allerdings kein Feiertag ist, sogar 13. Und damit kommen wir wieder zu Devin Uskoski. Der lebt schon seit ein paar Jahren in Deutschland und hat das Kunststück fertiggebracht, zum vierten Mal in Folge jeweils eine Spielklasse höher zu spielen. Von der Regionalliga in die Bundesliga.

Weihnachten zu Hause ist deshalb nicht gerade die Regel für ihn. "Im letzen Jahr hat es einmal geklappt. Da war ich über die Feiertage in den USA", erinnert er sich. Da stand er noch in Diensten der Kirchheim Knights in der zweiten Liga. Die hat Weihnachten spielfrei. Nun also Bundesliga-Weihnachten - in Weißenfels. "Nette Menschen und das deutsche Essen ist auch gut", sagt Uskoski.

Ob er allerdings Bratwurst, Sauerkraut und Glühwein - den er nach eigener Aussage sehr mag - trinkt, bleibt stark zu bezweifeln. Denn das sportliche Programm ist stramm. Montag und Dienstag Training, am Mittwoch das Spiel. Dazwischen werden schnell noch die Geschenke mit der Familie am Computer ausgepackt. Und abends kommen vielleicht noch die Jungs vorbei - also der Rest der Truppe. Alle die, die Weihnachten auch in Weißenfels verbringen.

Ruhe über Silvester und Neujahr

Zusammen feiert es sich eben besser. Gut möglich, dass es nicht das letzte Mal ist. "Wir wollen erst einmal gegen Gießen gewinnen und natürlich die Klasse halten", sagt Uskoski. Klappt das, spielen sie auch nächstes Weihnachten wieder und werden ohne die Familie in der Heimat auskommen müssen.

Uskoski grinst. Es gibt Schlimmeres, wenn man Basketball-Profi ist. Und wenigstens haben sie zu Silvester ein wenig mehr Ruhe beim MBC. Ein Spiel noch am 29. Dezember in Trier und dann geht es am 5. Januar weiter.

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