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Musik analysiert: Sind erfolgreiche Popsongs vorhersehbar?

Zu Pharrell Williams Hit „Happy“ tanzte die ganze Welt, am liebsten vor einer Kamera wie hier Studenten, die ihren Film später zum Videoportal Youtube luden.

Zu Pharrell Williams Hit „Happy“ tanzte die ganze Welt, am liebsten vor einer Kamera wie hier Studenten, die ihren Film später zum Videoportal Youtube luden.

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Youtube/Screenshot MZ

Die Liebe und das Leben, das Leiden und Herz, sie sind die Standardthemen jedes guten Popsongs. Auch in der aktuellen Hitparade findet sich unter den beliebtesten Liedern nicht einmal der Anflug eines anderen Themas. Von Adele über Matt Simons und Glasperlenspiel bis Zara Larsson treffen dieselben Gedanken auf dieselben Akkorde und bewährten Harmoniebögen. Ein bisschen Endzeitstimmung weht aus den Songzeilen, wenn Larsson singt, sie lebe jeden Tag wie den letzten. Und Adele, derzeit die Königin der Musikwelt, assistiert, es fühle sich an, als ob die Zeit zu Ende gehe.

Im Einklang mit der Gesellschaft

Musik aus dunklen Zeiten, die im Fall der Schwedin Larsson zwar fröhlich und bei der Britin Adele eher melancholisch klingt. Die aber inhaltlich beispielhaft für eine Entdeckung stehen können, die amerikanische Forscher vor einiger Zeit im „Journal of Advertising Research“ veröffentlicht haben. Danach verschieben sich Schwerpunkte erfolgreicher Musik mit der Stimmungslage einer Gesellschaft. Waren es 1989 Kaomas „Lambada“ und Phil Collins’ „Another Day in Paradise“, auf denen die Deutschen in die Einheit schunkelten, boten Castingbands wie Bro’sis und No Angels mit „I believe“ und „There Must Be an Angel“ nach den Terroranschlägen von 2001 Trost und Hoffnung auf eine bessere Zukunft. In der Finanzkrise 2008 sangen die Söhne Mannheims „Das hat die Welt noch nicht gesehen“ und die Dresdner Band Polarkreis 18 fühlte sich so „Allein Allein“.

Vorhersehbare Hits

Eine Struktur, die sich nach der Analyse des Teams von Marketingprofessor David Henard von der University of North Carolina in den Top-Ten-Hits über 50 Jahre hinweg immer wieder findet. Henard hatte alle Songs aufgelistet, die zwischen Januar 1960 und Dezember 2009 jemals Platz 1 im Musikbranchenblatt „Billboard“ erreicht hatten. Danach wurden die knapp eintausend Stücke, die den Geist ihrer jeweiligen Zeit widerspiegeln, sowohl in musikalischer als auch in inhaltlicher Hinsicht analysiert.

Mit eindeutigem Ergebnis. „Unsere Arbeit zeigt, dass es ein begrenztes Feld von weithin anerkannten Motiven gibt, die an den Kern menschlicher Erfahrungen reichen und bei einer großen und vielfältigen Gruppe von Konsumenten Anklang finden“, erklärt David Henard.

Diese Erkenntnis stimmt überein mit Forschungsergebnissen, die Wissenschaftler der Universität von Bristol vorgelegt hatten. Dazu hatten die Forscher typische Hits analysiert und aus den Ergebnissen einen selbstlernenden Algorithmus gebaut. Der wirkt hinter der Internetseite scoreahit.com und schafft es mit verblüffender Zuverlässigkeit, potenzielle Hits vorherzusagen.

Wiederkehrende Motive

Die hohe Trefferquote kommt zustande, weil die Bestandteile und erfolgversprechenden Akkordwechsel gleich sind. Dass es nicht immer klappt, liegt aber eben daran, dass Tonart, Tempo, Akkordstruktur und Gesang nicht allein sind, sondern auf Texte treffen, die den Inhalt prägen, selbst für die Hörer, die einen englischen Text vielleicht nicht einmal verstehen. Genau diese Songtexte haben Henard und sein Team mit Hilfe einer Software nach gemeinsamen oder sich wiederholenden Motiven durchsucht, um herauszufinden, wie eng der Zusammenhang der Inhalte von Hits mit der politischen und gefühlstechnischen Großwetterlage einer Nation ist.

Ob mit der Software ein bestimmtes Muster herausgefunden wurde, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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