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Memoto: Eine Kamera fürs Leben

Uhr | Aktualisiert 30.11.2012 19:15 Uhr
Bilder am Stück: Memoto fotografiert das ganze Leben. (FOTO: MEMOTO) 
Im Jahr 2000 drehte der Regisseurs Christopher Nolan seinen vielbeachteten Film "Memento", in dem es um einen Mann geht, der die Fähigkeit verloren hat, sich zu erinnern. Das könnte Nolans Hauptfigur Leonard heute nicht mehr passieren, denn inzwischen hätte er die Möglichkeit, sein ganzes Leben lückenlos elektronisch aufzuzeichnen.
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Halle (Saale)/MZ. 

Nicht von ungefähr heißt die Firma, die die erste so genannte Lifelogging-Kamera anbietet, "Memoto": Der Zwerg, der etwa streichholzschachtelklein ist, macht alle 30 Sekunden eine automatische Aufnahme und speichert sie. Nichts geht mehr verloren, alles wird gesichert.

Noch gibt es die Lifelogging-Kamera des schwedischen Herstellers nur als Prototyp, doch absehbar ist, dass das Modell ein Erfolg werden wird. Die Memoto ist kompakt genug, sie immer am Mann zu tragen, egal, wo sie gerade hängt oder liegt, sie macht stoisch alle 30 Sekunden eine Aufnahme und notiert dazu auch noch die GPS-Position, an der sie sich gerade befindet. Wird die Kamera an einen Computer angeschlossen, können die Aufnahmen auf die eigene Festplatte verschoben oder auf den Memoto-Server hochladen werden. Je nach Geschmack des Besitzers dienen sie hier als eigenes Fototagebuch oder als Unterhaltungsangebot für die ganze Welt: Stellt der Nutzer sein Profil auf "öffentlich", kann jedermann jederzeit nachverfolgen, wo der Besitzer sich wann befunden, wen er getroffen und was er getan hat.

Für viele eine beängstigende Vorstellung, für andere aber offenbar verlockende Aussichten. Der Versuch der Macher, die Entwicklungsarbeiten über das Internet finanzieren zu lassen, brachte statt der erwarteten 50 000 Dollar mehr als eine halbe Million.

Dank des eingebauten 5MP-Weitwinkelobjektiv mit Festbrennweite sind Fotos der Memoto immer scharf. Der interne Speicher fasst acht Gigabyte - das reicht für 4 000 Bilder oder 1,5 Tage Dauerbetrieb. Problematisch scheint die Langzeitnutzung: Nimmt man eine Datenmenge von vier Gigabyte pro Tag an, addiert sich die Datenmenge bereits innerhalb eines Jahres auf gut 1,5 Terabyte. Ein Leben auf Memoto-Bildern würde etwa um die 70 Terabyte umfassen - nach heutigem Stand der Technik bräuchte es dazu etwa den Speicherplatz von 35 externen Festplatten. Memoto nimmt derzeit Vorbestellungen für die Kamera an, die etwa 200 Euro kosten soll. Die Auslieferung biginnt im Frühjahr 2013.

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