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«Cloud»-Dienste: Gefahren und Vorzüge der Datenwolke

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Die Cloud ist nur eine schöne Metapher: Sie sollte Nutzer nicht dazu verleiten, ihre Daten leichtfertig in fremde Hände zu geben. (FOTO: DPA)

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Fotos mit dem Tablet zeigen und Musik aufs Notebook bringen - mit der „Cloud“ können Nutzer von überall auf ihre Daten zugreifen oder sie mit Freunden teilen. Den Anbietern blind vertrauen sollten Nutzer aber nicht.
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Hannover/Darmstadt/dpa. 

Unkompliziert und immer griffbereit: Hat ein Nutzer einen sogenannten Clouddienst auf seinem Heimrechner, seinem Notebook und seinem Smartphone installiert, ist ein auf dem PC im Arbeitszimmer gespeichertes Foto automatisch auch auf den mobilen Geräten abfrufbar. Auch Dokumente, Videos oder Musik stehen so jederzeit und überall zur Verfügung - eine Internetverbindung vorausgesetzt. Besonders leicht ist die Datenverteilung über mehrere Rechner, wenn der Dienst ein virtuelles Laufwerk auf dem Rechner installiert. So lassen sich die Dateien per Drag & Drop einfach in den Ordner legen und hochladen, der Umweg über ein separates Programm oder den Browser entfällt.

Gibt man einzelne Verzeichnisse für Freunde oder Familienmitglieder frei, funktioniert die Synchronisierung sogar mit mehreren Benutzern. „Ein mit dem Smartphone gedrehtes Video vom Nachwuchs oder der Schnappschuss aus dem Urlaub ist auf diese Weise einfach und schnell verteilt“, erklärt Informatik-Professor Matthias Hovestadt, Experte für Cloud Computing an der Hochschule Hannover. Ein weiterer Vorteil solcher Dienste ist die Datensicherung. Gibt der Computer beispielsweise den Geist auf, können die gespeicherten Daten aus dem Netz problemlos auf den neuen Rechner geladen werden.

Spätestens bei sensiblen Daten rückt jedoch der Aspekt der Sicherheit in den Fokus - ein Nachteil der Cloud. In einer im März 2012 veröffentlichten Studie stellte das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt fest, dass keiner der untersuchten Cloud-Speicherdienste die obligatorischen Sicherheitsanforderungen erfüllte.

Das gilt auch für Anbieter, die Daten ihrer Nutzer verschlüsselt speichern - denn hochgeladen werden die Dokumente oder Fotos zunächst ungeschützt. Und wer etwas verschlüsselt, kann es immer auch wieder entschlüsseln. „Der Kunde muss hier oftmals vertrauen, dass vor der Verschlüsselung beim Anbieter niemand Einblick in die Daten nimmt und dass niemand sie unbefugt entschlüsselt“, sagt Michael Herfert vom Fraunhofer SIT. Ratsam ist deshalb, die Daten auf dem eigenen Rechner selbst zu verschlüsseln. Mit kostenlosen Programmen wie TrueCrypt oder BoxCryptor schaffen das auch Einsteiger.

Die Verschlüsselung verschafft auch zusätzliche Sicherheit, wenn der Anbieter seine Server abschalten oder verkaufen muss, zum Beispiel wegen Insolvenz. „Dann sind sie im Zweifel zwar weg, aber mit den Daten kann zumindest niemand etwas anfangen“, sagt André Egners, IT-Experte an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Zumindest bei den großen und bekannten Anbietern sei eine Zahlungsunfähigkeit aber eher unwahrscheinlich.

Wichtig ist neben der Größe des Anbieters auch sein Firmensitz, warnt Florian Glatzner vom Verbraucherzentrale Bundesverband: „Nur wenn der Anbieter in Europa sitzt, ist er auch an europäisches Recht gebunden.“ Besondere Vorsicht sei bei US-Anbietern geboten: Ein amerikanischer Dienstleister mit einem Firmensitz in Europa muss sich oft trotzdem an US-Recht halten und auf seinen Servern gespeicherte Daten zum Beispiel heimischen Sicherheitsbehörden zur Vefügung stellen.

Eine weitere Sicherheitslücke schleicht sich ein, wenn Nutzer ihren Zugang zur Datenwolke mit einem unsicheren Passwort schützen. „Aus diesen Gründen sollte man einen Clouddienst nicht für die Speicherung wirklich vertraulicher Informationen verwenden, sondern diese nach Möglichkeit ausschließlich auf lokalen Datenträgern sichern“, rät Cloud-Kenner Hovestadt. Dazu zählen beispielsweise Unterlagen zum Onlinebanking oder sensible Firmendokumente.

Neben der Sicherheit haben Onlinespeicher noch ein weiteres Manko: Größere Datenmengen, die zum Beispiel beim Hochladen von Filmen entstehen, benötigen selbst mit schnellen Internetanschlüssen eine Menge Zeit, bis sie in der Cloud angekommen sind. „Die Übertragung solcher Datenmengen kann selbst bei schnellen Breitbandanschlüssen einige Stunden dauern, verglichen mit Minuten für die Speicherung auf dem USB-Stick“, sagt Hovestadt. Hinzu kommt, dass dem Nutzer nur begrenzt kostenloser Speicherplatz zur Verfügung steht.

Beim Clouddienst Dropbox sind beispielsweise 2 Gigabyte Speicherplatz gratis, 100 Gigabyte kosten jährlich umgerechnet etwa 91 Euro. Googles Cloudspeicher Google Drive stellt 5 Gigabyte kostenlos zur Verfügung, für 25 Gigabyte werden knapp 23 Euro pro Jahr fällig. In Apples iCloud stehen dem Nutzer ebenfalls 5 Gigabyte kostenlos zur Verfügung, für 32 Euro pro Jahr lässt sich der Speicherplatz auf 20 Gigabyte erweitern. Bei Microsofts SkyDrive stehen dem Nutzer 7 Gigabyte kostenlos zur Verfügung, 27 Gigabyte kosten 8 Euro pro Jahr. Wer statt der US-Firmen einen hiesigen Anbieter bevorzugt, wird zum Beispiel bei der Deutschen Telekom fündig, die ihren Kunden 25 Gigabyte kostenlosen Speicherplatz zur Verfügung stellt.

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