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Zurückgetretener Ortsbürgermeister Markus Nierth: Tröglitz ist kein "braunes Nest"

Markus Nierth beim MZ-Gespräch

Kämpft für ein friedliches Miteinander in Tröglitz: Markus Nierth beim MZ-Gespräch in seinem Haus

Foto:

Hartmut Krimmer

Elsteraue -

Das Festnetztelefon, sein Handy, das seiner Frau: Markus Nierth umgibt permanentes Gebimmel - der Sound eines Medienhypes. Der begann vor fast einer Woche, als die MZ berichtete, dass der 46-Jährige seinen Job als Ortsbürgermeister in Tröglitz aufgibt, weil er sich im Konflikt mit der NPD alleingelassen fühlt. Der Theologe und Trauerredner wurde in Eisleben geboren, wuchs in Weißenfels auf und lebt mit Frau und sieben Kindern in einem alten Gasthof. Mit ihm sprach MZ-Redakteur Kai Gauselmann.

Herr Nierth, Sie fühlten sich von der übergeordneten Politik alleingelassen. Wie fühlen Sie sich jetzt?

Nierth: Es haben sich einige Politikgrößen zu Wort gemeldet. Mich und meine Familie beeindrucken aber mehr die Reaktionen hier vor Ort: Viele, herzliche, echt gemeinte spontane Besuche, auch von Leuten, die sich sonst nicht so aus der Deckung trauen. Oder Leute, die Blumen abgeben und Briefe einwerfen. Das hat meine ganze Familie sehr gerührt.

Ist die Politiker-Solidarität eher eine professionelle und die kleine vor Ort die authentischere?

Nierth: Hätte ich fast so bestätigen können. Aber die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi war sehr hartnäckig, bis sie mich erreicht hat. Mit der habe ich dann sehr lange reden können - und die hat mir auch wirklich zugehört. Das war authentisch, das hat mich beeindruckt.

Interview mit Markus Nierth
13. März 2015: Markus Nierth, ehemaliger Ortsbürgermeister von tröglitz, äußert sich im Interview zu seinem Rücktritt und wie es für ihn nun weitergeht.

Wer hat noch angerufen, Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU)?

Nierth: Nein, das ist auch nicht nötig. Der hat bestimmt Besseres zu tun. Ich hätte mich aber gefreut, wenn ich eine persönliche Rückmeldung vom Innenminister Holger Stahlknecht und Landrat Götz Ulrich bekommen hätte. Aber vielleicht kommt das noch.

Die Solidarität der vergangenen Tage - ist die nur gut für Ihr Seelenheil gewesen oder sehen Sie auch eine positive Wirkung für das eigentliche Problem?

Nierth: Was mich Sonntag noch seelisch sehr belastet hat, war das Gefühl, ohne Schutz zu sein. Jetzt gibt es einen Erlass, wodurch ehrenamtliche Bürgermeister geschützt werden können. Das ist toll. Als ich das gelesen habe, habe ich bei Facebook drunter geschrieben: „Die Demokratie hat gesiegt.“

Ministerpräsident und Innenminister meinen, Sie hätten sich auch direkt an sie wenden können. Warum haben Sie das nicht gemacht?

Nierth: Ich habe mich beim Landkreis gemeldet. Herr Ulrich hat auch schnell Kontakt aufgenommen. Man nimmt sich doch als kleiner Ortsbürgermeister nicht heraus, die große Politik anzurufen. Soviel hatte ich von der Einhaltung des Dienstweges schon gelernt.

Auf der nächsten Seite geht das Interview mit Markus Nierth weiter.

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