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Wohnungsbau in Ostdeutschland: Neubau statt oller Platte

Wie hier im April 2014 in Magdeburg fallen im Osten Deutschlands auch heute noch Plattenbauten dem Abrissbagger zum Opfer.

Wie hier im April 2014 in Magdeburg fallen im Osten Deutschlands auch heute noch Plattenbauten dem Abrissbagger zum Opfer.

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dpa

Berlin/Halle (Saale) -

Vier Zimmer, Küche, Bad, Balkon. Das alles auf 66 Quadratmetern, dazu Heizung und warmes Wasser aus der Leitung. Familien, die zu DDR-Zeiten ein solches Zuhause in einer Neubausiedlungen ergatterten, lebten den Traum vom Wohnparadies. Nach der Wende kam das Erwachen: Viele Mieter verließen die Plattenbau-Heime für ein Leben im Westen, im eigenen Haus oder in einem der frisch renovierten Altbauten in den Stadtzentren.

Für die einst so begehrten Bauten bedeutete dies häufig das Ende: Leerstand ließ sich nicht mehr finanzieren, die Platte wurde platt gemacht. Statt Aufbau Ost Abriss Ost. Daran hat sich bis heute oft wenig geändert. Moderner und preiswerter Wohnraum wird dennoch gebraucht, in einigen Regionen sogar dringend. In Sachsen und Thüringen übersteigt die Zahl der Neubauten mittlerweile die der Abrisse - zumindest bei den Wohnungsgenossenschaften. Ähnlich sieht es in Mecklenburg-Vorpommern aus. Noch nicht angekommen ist dieser Trend hingegen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Mehr Auf- als Abbau

Bei den Wohnungsgenossenschaften in Sachsen, die 20 Prozent der Mietwohnungen im Land stellen, hat sich das Verhältnis zwischen Auf- und Abbau 2015 erstmals umgekehrt. 500 Wohnungen sind neu entstanden, 470 alte abgerissen worden. In Thüringen wurde dieser Trend laut Wohnungswirtschaftsverband bereits 2014 deutlich: 500 neu gebauten Wohnungen der Verbandsunternehmen stand der Abriss von 362 alten gegenüber. Für 2015 waren 600 Neubauwohnungen geplant. Eine ähnliche Tendenz zeichnet sich in Mecklenburg-Vorpommern ab.

In allen drei Ländern ist die gesteigerte Nachfrage auch von Zugezogenen ein Grund für den neuen Bauboom. So haben etwa Studierende nach einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung die Attraktivität von mittelgroßen Städten wie Freiberg, Mittweida, Ilmenau, Nordhausen oder Wismar für sich erkannt. Gebaut werde aber nicht nur an angesagten Hochschulstandorten und gefragten Städten wie Leipzig oder Dresden, sondern auch in Kommunen mit mehr älteren Einwohnern, sagt Sven Winkler vom Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften. „Gefragt sind altersgerechte und zugleich bezahlbare Wohnungen.“

Knapp sei auch der Wohnraum für Familien. „Mit zwei Kindern oder mehr möchten die wenigsten heute noch wie zu DDR-Zeiten auf 66 Quadratmetern leben“, sagt Winkler. Alte Plattenbauten seien weder gemacht für die Ansprüche einer vierköpfigen Familie, noch für die Bedürfnisse von Senioren.

Vorstellungen der potenziellen Mieter entsprechen

Es gehe darum, in kleineren Städten zukunftsfähigen Wohnraum zu schaffen, sagt auch die Direktorin des Thüringer Wohnungswirtschaftsverbands, Constanze Victor. Eine Sanierung des DDR-Bestandes entspreche oft nicht den Vorstellungen einer zahlungsstärkeren Klientel. Die Baugenossenschaften hätten heute wieder größere finanzielle Spielräume für Investitionen in Neubauten, erläutert Winkler. Die Leerstände seien geringer als noch vor ein paar Jahren, Altschulden aus DDR-Zeiten seien getilgt. Im Gegensatz zu den kommunalen Baugesellschaften könnten die Genossenschaften zudem frei über ihr Budget verfügen und so schneller und mehr bauen.

Ein anderes Bild zeichnet sich in Sachsen-Anhalt und Brandenburg ab. In Brandenburg planten die im Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen organisierten Gesellschaften für 2015 den Abriss von 1 728 Wohnungen. 436 Wohnungen sollten neu gebaut werden, wie Verbandssprecher David Eberhart berichtet.

Leerstandsquoten noch immer groß

In Sachsen-Anhalt ist die Lage dabei noch dramatischer: Laut Wohnungswirtschaft wollten ihre Unternehmen im vorigen Jahr 2.835 Wohnungen abreißen oder rückbauen. Zahlen für geplante Neubauten lagen für 2015 zwar nicht vor. 2014 bauten Genossenschaften und kommunale Gesellschaften jedoch nur 220 neue Wohnungen. Eine große Steigerung dürfte es nach Aussage des Direktors des Wohnungswirtschaftsverbands, Jost Riecke, auch 2015 nicht gegeben haben. „Vielerorts sind die Leerstandsquoten noch immer groß.“ Dabei gebe es starke regionale Unterschiede.

Während die Situation in den größeren Städten wie Halle und Magdeburg positiver sei, gehe es Genossenschaften und Wohnungswirtschaft etwa im Kreis Anhalt-Bitterfeld „wesentlich schlechter“. Entscheidend ist dabei nach den Worten Rieckes die Binnenwanderung im Land. Sie führe zu höherem Leerstand vor allem in den ohnehin gebeutelten kleineren Städten und in ländlichen Regionen.

Deshalb und weil auch weiterhin mit einem Rückgang der Bevölkerungszahlen zu rechnen sei, werde der Abriss in Sachsen-Anhalt auch in den kommenden Jahren weiterhin Thema bleiben. Renovierung und Neubau von Wohnungen in größerem Umfang sei erst dann zu erwarten, wenn Wohnraum auch zu höheren Preisen gefragt sei. Riecke: „Erst dann ist es betriebswirtschaftlich richtig.“ (dpa/mz)