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Mitteldeutsche Zeitung | Waffenverkauf: Menschen in Sachsen-Anhalt rüsten auf
23. November 2015
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Waffenverkauf: Menschen in Sachsen-Anhalt rüsten auf

Ein Schreckschuss-Revolver liegt auf dem "kleinen Waffenschein".

Ein Schreckschuss-Revolver liegt auf dem "kleinen Waffenschein".

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AP

Halle (Saale) -

Bei vielen Menschen in Sachsen-Anhalt wächst das Bedürfnis nach Sicherheit. So floriert das Geschäft mit freiverkäuflichen Waffen wie beispielsweise Schreckschusspistolen. Und Waffenhändler verkaufen so viel Pfefferspray und Reizgas wie lange nicht. Auch die Nachfrage nach Elektroschockern und anderen freiverkäuflichen Waffen legt zu. Das Innenministerium des Landes wies in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass der private Selbstschutz kein Allheilmittel sei.

Absatz von Pfefferspray verdoppelt

Allein der Absatz von Pfefferspray habe sich in Sachsen-Anhalt zuletzt verdoppelt, teilte der Branchenverband der Waffenhändler mit. Vor allem Anbieter in Städten machen an manchen Tagen so viel Umsatz wie früher in einem ganzen Monat. Mit dieser Entwicklung sei Sachsen-Anhalt freilich keine Ausnahme. Ähnlich sehe es in Sachsen und Thüringen aus. Ingo Meinhard vom Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler, der in Mitteldeutschland mehr als 80 Geschäftsleute vertritt, spricht von einem bundesweiten Trend. Ein Waffenhändler aus Großörner im Landkreis Mansfeld-Südharz berichtet, Großhändler hätten mittlerweile erhebliche Mühe, den Bedarf zu decken.

Auch das Interesse an Schusswaffen nimmt zu. So hat das Landratsamt Wittenberg allein in diesem Jahr 35 sogenannte kleine Waffenscheine erteilt. Gegenüber 2014 entspricht das einem Anstieg um über 100 Prozent. Die Berechtigungen gelten unter anderem für Schreckschusspistolen. Diese Waffen sind zwar frei verkäuflich. Deren Besitzer darf sie aber nur dann in der Öffentlichkeit mit sich führen, wenn er einen kleinen Waffenschein hat.

Nach Angaben der Waffenhändler nennen viele Kunden als Grund für einen Waffenkauf die Angst vor Kriminalität und eine allgemein steigende Verunsicherung. Das Innenministerium äußerte sich zurückhaltend. Pressesprecher Stefan Brodtrück sagte: „Vieles, vor allem in ungeübten Händen, kann ungewollt zur Eskalation beitragen.“ Deutlicher wird der Landtagsabgeordnete der Grünen, Sebastian Striegel. Die Zahl der Straftaten sei seit Jahren rückläufig. Auch die Zuwanderung ändere daran nichts. „Private Aufrüstung“ mache die Welt nicht sicherer.

Gestiegenes Sicherheitsbedürfnis der Bürger

Neben Privatleuten setzen sich auch Kommunen mit dem Thema Sicherheit verstärkt auseinander. So will die Stadt Thale (Harz-Kreis) ihren privaten Sicherheitsdienst ausbauen, der seit einem Jahr nachts eingesetzt wird. Das kündigte Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU) an. Hintergrund sei das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der Bewohner und die Tatsache, dass die Polizei entlastet werden müsse. Eine Rolle spiele auch der Flüchtlingszustrom. Nachts müssten verstärkt Gebäude kontrolliert werden, in denen Flüchtlinge wohnen. Bislang sind täglich zwischen 22 und 6 Uhr zwei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes in einem eigens angeschafften Fahrzeug in Thale unterwegs. (mz)