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Viele Herzinfarkte: Sachsen-Anhalt baut ein Herzregister auf

Uhr | Aktualisiert 16.01.2013 21:52 Uhr
Herz-OP in der Klinik für Herzchirurgie am Herzzentrum der Leipzig-Universität. In Sachsen-Anhalt sterben unverhältnismäßig viele Menschen an einem Herzinfarkt - dagegen will das Land nun etwas unternehmen. (ARCHIVFOTO: DPA) 
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Sachsen-Anhalt baut ein Herzregister auf, um Ursachen für die hohe Anzahl von Sterbefällen nach Herzinfarkten auf die Spur zu kommen. Für das Register soll jeder Einzelfall untersucht werden - von der Erstdiagnose bis zur Nachsorge.
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Halle (Saale)/MZ. 

Sachsen-Anhalt baut ein Herzregister auf, um Ursachen für die hohe Anzahl von Sterbefällen nach Herzinfarkten auf die Spur zu kommen. Das sagte Gesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD) gestern nach einem Treffen mit Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Vertretern von Universitäten, Ärzteverbänden und Kassen. Für das Register soll jeder Einzelfall untersucht werden - von der Erstdiagnose bis zur Nachsorge. Dabei wird auch die ärztliche Versorgungsdichte betrachtet.

Das Land reagiert damit auf den am Dienstag vorgestellten Bericht der Deutschen Herzstiftung, nach dem Sachsen-Anhalt bundesweit die meisten Herzinfarkt-Toten hat. Die Zahl lag im Jahr 2010 bei 111 pro 100000 Einwohner - im Vergleich zu Hamburg mit 53. Sachsen-Anhalt überschritt den Bundesdurchschnitt damit um 43 Prozent. Auch 2011 sahen die Zahlen laut Statistischem Bundesamt nicht viel besser aus: Mit 103,7 Todesfällen pro 100000 Einwohnern hatte sich Sachsen-Anhalt zwar verbessert, lag aber noch weit hinter den anderen Ländern. Die Ursachen für die Unterschiede seien unklar, so die Herzstiftung - wahrscheinlich seien eine Unterversorgung von Patienten, wenig effektive Notarztsysteme oder ungünstige sozioökonomische Bedingungen.

„Im Moment herrscht noch ein großes Rätselraten“, räumte Bischoff ein - das Herzregister solle das ändern. Zunächst würden dafür in der Altmark und in Halle Untersuchungen angestellt.

In ersten Pilotprojekten werde darüber hinaus bereits eine effektivere Kommunikation zwischen Rettungswagen-Besatzung und Krankenhaus untersucht. Das Land brauche mehr Notärzte, räumte Bischoff ein, zudem seien die monatelangen Wartezeiten für einen Termin beim Kardiologen zu lang. „Der Herzbericht hat uns noch einmal wachgerüttelt“, sagte der Minister. Geprüft werden soll auch der Vorwurf der Deutschen Herzstiftung, insbesondere in ostdeutschen Gebieten wie Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen fehlten spezielle Herznotfallambulanzen - laut Kardiologenverband gibt es zwei zertifizierte Ambulanzen in Kliniken in Halle.

Auch an der Aufklärung müsse gearbeitet werden, betonte Bischoff. Im Vergleich vergehe in Sachsen-Anhalt eine halbe Stunde mehr Zeit, bis überhaupt der Arzt gerufen werde.

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