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Viele Fälle in Sachsen-Anhalt: Im Land werden immer mehr Tiere gequält

Katzen werden immer wieder ausgesetzt und suchen ein neues Zuhause.

Katzen werden immer wieder ausgesetzt und suchen ein neues Zuhause.

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Hartmut Krimmer/Archiv

Halle (Saale) -

In Sachsen-Anhalt werden immer häufiger Tiere gequält oder falsch gehalten. Das zeigt die Auswertung der landesweiten Kriminalitätsstatistik der vergangenen Jahre. Wurden 2009 noch 314 derartige Fälle registriert, waren es 2014 sogar 427 - eine Steigerung von knapp einem Drittel. Und bis Ende November 2015 musste die Polizei bereits 401 Anzeigen aufnehmen. Tierschützer bestätigen die Entwicklung: „Es gibt eine Tendenz nach oben“, sagt Ursula Blumenthal, Vorsitzende im Landesverband Sachsen-Anhalt des Deutschen Tierschutzbundes. Tierquälerei kann nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes mit Gefängnis bis zu drei Jahren oder mit einer Geldbuße bestraft werden.

Frischlinge überfahren und erschlagen

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden meist nur die spektakulären Fälle. So wurde gegen einen Mann aus dem Jerichower Land jetzt ein Strafbefehl über 14?000?Euro verhängt. Er muss die Strafe zahlen, nachdem er im August 2014 13 Frischlinge überfuhr. Er hatte die Rotte Wildschweine auf einem Acker entdeckt, war ins Auto gestiegen und Amok gefahren. Diejenigen Tiere, die danach noch am Leben waren, soll er mit einem Spaten erschlagen haben.

In Halle machte vor kurzem der Fall einer blinden Hündin Schlagzeilen. Sie war unweit des Hauptbahnhofes so schwer getreten worden, dass sie Prellungen davontrug. Ein Ehepaar, beide selber blind, kümmerte sich um den Schäferhund-Mischling und verständigte den Tierschutzverein. Mittlerweile lebt er bei ihren Rettern.

Anonyme Hinweise aus der Nachbarschaft

Abseits der spektakulären Fälle bekommen vor allem örtliche Tierschutzvereine immer mehr Hinweise auf gequälte Hunde oder Katzen. „Die Zahl der Misshandlungen hat stark zugenommen“, erklärt die Leiterin des Tierheims in Bitterfeld, Grit Koeckeritz. Ein bis drei Hinweise auf gequälte oder falsch gehaltene Tiere bekommen Tierschützer pro Woche. Häufig geschehe das anonym aus der Nachbarschaft.

„Wir versuchen dann, mit den Tierhaltern ins Gespräch zu kommen“, sagt Koeckritz. „Oft scheitert das aber, weil wir gar nicht erst aufs Grundstück gelassen werden.“ Deshalb werde in jedem Fall auch das Veterinäramt eingeschaltet.

In Urin oder Kot getunkt

Vor allem Schläge und Tritte sind nach der Erfahrung von Koeckeritz an der Tagesordnung. Aber auch die Zahl ausgesetzter oder in Gartenanlagen sowie Wohnungen zurückgelassener Tiere sei angestiegen. Die Tierheimchefin beklagt zudem vermeintliche Erziehungsmaßnahmen: So würden immer wieder Tiere eingesperrt oder ihnen Futter vorenthalten; noch nicht stubenreinen Welpen werde die Nase in den Urin oder Kot getunkt. „All das sind Formen von Misshandlung“, betont die Bitterfelder Tierheimleiterin.

Ein großes Problem ist aus Sicht von Ursula Blumenthal zudem der Umgang mit Tieren, deren Besitzer verstorben sind. Die Erben könnten oder wollten sich oft nicht um sie kümmern. Im schlimmsten Fall würden die Tiere dann ausgesetzt. „Zum Glück haben viele Leute aber mittlerweile gelernt, dass sie bei ihrem Tierheim oder bei uns anrufen können“, so Blumenthal. (mz)