Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

V-Mann Honorar: Verfassungsschutz zahlte 180 000 Euro an Nazi-Spitzel "Corelli"

Aktenordner beim Verfassungsschutz

Aktenordner stehen in einem Aktenraum des Verfassungsschutzes in Magdeburg.

Foto:

DPA/ARCHIV

Berlin/Halle/dpa/MZ -

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat einem V-Mann aus dem NSU-Umfeld nach Informationen der „Bild am Sonntag“ rund 180 000 Euro Honorar gezahlt. Das belegen nach Angaben der Zeitung Verfassungsschutz-Akten, die dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages zugingen. Es handele sich um die bisher größte bekanntgewordene Summe für einen V-Mann.
Name im Adressbuch


Es geht um den Neonazi Thomas R. aus Halle, der unter dem Decknamen „Corelli“ jahrelang für den Verfassungsschutz in der rechtsextremen Szene gespitzelt haben soll. Angeworben wurde Thomas R. noch vom Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt. Damals war er gerade 17 oder 18 Jahre alt. R. zählte zu jener Wende-Generation, die in der DDR noch nicht Fuß gefasst hatte und im vereinigten Deutschland noch nicht angekommen war.
Sein Name fand sich in einem Adressbuch des Rechtsterroristen und NSU-Mitglieds Uwe Mundlos. Laut Zeitungsbericht wurde „Corelli“ erst im November 2012 vom Geheimdienst abgeschaltet und in einem Zeugenschutzprogramm untergebracht. Seither lebe er mit neuer Identität in England.Thomas R. hatte 2012 seine Wohnung fluchtartig verlassen. Er ließ sein Auto ebenso zurück wie den Rest seines früheren Lebens.
„Corelli“ spionierte offenbar 18 Jahre lang für den Verfassungsschutz in der rechtsextremistischen Musik-Szene, berichtete aber auch über den deutschen Ableger des Ku-Klux-Klan. Er sei auch zu einem Treffen des rassistischen Geheimbunds in die USA eingeladen worden. Die Reisekosten habe der Verfassungsschutz gezahlt, heißt es in dem Zeitungsbericht.


Der Verfassungsschutz äußerte sich auf Anfrage nicht zu „Corelli“. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums im Bundestag, Thomas Oppermann (SPD), hält die Höhe der Honorare und die Dauer des V-Mann-Einsatzes für „hochproblematisch“. „Der zuständige Innenminister Hans-Peter Friedrich muss erklären, wieso ,Corelli´ so viel Geld kassierte. Niemand darf allein von seiner Tätigkeit als V-Mann leben“, sagte er. Oppermann fordert ein V-Mann-Gesetz. „Wir brauchen endlich klare gesetzliche Grundlagen für den Einsatz von Informanten.“
Klage angedroht


Unterdessen ist der Streit zwischen dem Neonazi-Untersuchungsausschuss des Bundestags und dem Innenministerium über den V-Mann „Corelli“ über die Herausgabe aller Informationen beigelegt. Das Innenministerium sagte dies mittlerweile zu.
Als skandalös hat die Landtagsfraktion der Linken die jüngsten Enthüllungen zum V-Mann „Corelli“ bezeichnet. Der Staat habe über Jahrzehnte horrende Summen in einen Mann gepumpt, der eine zentrale Person der Neonaziszene Sachsen-Anhalts gewesen sei. Die Landesregierung müsse nun dem Innenausschuss alle Informationen offen legen und ihre bisherige Weigerung aufgeben. Auch die Landtagsfraktion der Grünen verlangt von Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) die Aktenherausgabe. Sollte dies nicht geschenen, drohen sie mit einer Klage.