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Uniklinikum Halle: Besondere Behandlung für junge Krebspatienten

Carsten Müller-Tidow leitet das Landeszentrum für Zell- und Gentherapie der Universitätsklinik Halle.

Carsten Müller-Tidow leitet das Landeszentrum für Zell- und Gentherapie der Universitätsklinik Halle.

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Jens Schlüter

Halle (Saale) -

An seinem 18. Geburtstag war Pauls Zimmer dekoriert. An seinem Bett hingen bunte Luftballons, die eine fröhliche Atmosphäre erzeugten. Es gab Mini-Törtchen. Das ist an sich nichts ungewöhnliches, doch zu dieser Zeit stand Pauls Bett in einem Krankenzimmer des Landeszentrums für Zell- und Gentherapie (LZG) am Universitätsklinikum Halle, das 2005 seinen Betrieb aufgenommen hat. Finanziert wurde der 17 Millionen Euro teure Neubau zu großen Teilen von der Deutschen Krebshilfe. Hier ist Paul in Behandlung - in einer speziellen Einheit namens Caya (Child-Adolescent-Young Adults-Unit), die vor etwa anderthalb Jahren geschaffen wurde und sich auf Kinder, Jugendliche und Junge Erwachsene spezialisiert hat, die an Krebs erkrankt sind.

Caya ist eine Einheit, die ein Alleinstellungsmerkmal in der Krankenversorgung junger Menschen im Süden Sachsen-Anhalts, im westlichen Sachsen und im östlichen Thüringen - einem Einzugsgebiet von etwa 1,5 Millionen Einwohnern - bildet. Und wo versucht wird, mit hellen Farben, Fotos, Bildern und Basteleien im Flur und einigen Zimmern ein wenig die Krankenhaus-Umgebung vergessen zu machen. „Hier habe ich mich wohler gefühlt als auf einer normalen Station“, sagt Paul.

Es gibt zwei gemeinsame Stationen in räumlicher Nähe, gemeinsame Visiten, gemeinsame Gespräche über die Patienten und deren Medikation. Alles befindet sich unter einem Dach. Etwa 100 Patienten werden pro Jahr stationär behandelt sowie einige ambulant.

Junge Krebspatienten gehen häufig mit ihren Bedürfnissen unter

„Junge Menschen brauchen komplexe Strukturen aus Beratung und Behandlung“, sagt Carsten Müller-Tidow, Hämato-Onkologe, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV und Leiter des LZG. Da bei etwa 400.000 Krebserkrankten, Kinder und junge Erwachsene mit 2.000 beziehungsweise 4.000 Patienten nur einen geringen Anteil ausmachen, „gehen sie mit ihren Bedürfnissen eher unter“, ergänzt Dieter Körholz, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Dabei gelte es, andere Aspekte zu beachten als bei Senioren. Es gebe andere Krankheitsbilder, es brauche andere Therapieansätze. „Der Bedarf ist riesig, die Standard-Erwachsenmedizin kann nicht alles leisten“, sagt Müller-Tidow.

Und es stehen existenzielle Fragen im Raum: Da ist der Zwiespalt zwischen der Loslösung vom Elternhaus und aufgrund der Erkrankung doch wieder auf Hilfe angewiesen zu sein. Da ist die Frage, wie es in Zukunft beruflich weitergeht. Aber auch die Frage, wie man sensibel mit dem Thema späterer Kinderwunsch umgeht, das zwar nicht immer gleich zur Debatte steht, aber im späteren Leben eine Rolle spielt. „Die Fragen, ob ,Kinder oder nicht’ sind zwischen 16 und 25 gleich“, sagt Körholz. Die Gefahr bei vielen der Therapien sei groß, dass Unfruchtbarkeit eine Folge sei. „Junge Leute brauchen wegen solcher Ängste komplexere Strukturen aus Beratung und Behandlung“, sagt Müller-Tidow. Deshalb stehe den Patienten eine umfangreiche psycho-soziale Betreuung zur Verfügung.

Warum Therapien für junge Krebspatienten unter Umständen unnötig intensiv sind, lesen Sie auf Seite 2.

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