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Überfall in Schönebeck: Unbekannte dringen in Asylbewerberheim ein

Polizei

Der Schriftzug "Polizei" auf einem Einsatzwagen.

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dpa/symbol

Schönebeck/Bernburg -

Die Szene, wie sie die Polizei später anhand ihrer ersten Ermittlungen beschrieb, muss angsteinflößend gewirkt haben: Es war demnach später Mittwochabend, als am Asylbewerberheim in Schönebeck (Salzlandkreis) mehrere Autos mit zehn bis 15 Mann vorfuhren. Fünf der Unbekannten im geschätzten Alter zwischen 25 und 30 Jahren sollen dann trotz Wachdienst das Heim gestürmt und offenbar zielgerichtet drei Syrer gesucht haben. Bei der folgenden Auseinandersetzung sei einer der Bewohner gestürzt und habe sich Hautabschürfungen an der Hand zugezogen, teilten die Ermittler gestern mit.

Angeblich belästigt

Obwohl die Unbekannten mit vermutlich zwei Messern - einem kleinen und einem größeren - bewaffnet gewesen sein sollen, kam es zu keinen weiteren Verletzungen. Die Täter flüchteten, als vom Wachdienst die Polizei gerufen wurde. Die Ermittler haben derweil momentan mehr Fragen als Antworten zu dem Fall - auch zum Motiv. Möglicher Auslöser des Überfalls könne ein Eintrag über eine sexuelle Belästigung gewesen sein, der am Mittwoch im sozialen Netzwerk Facebook die Runde gemacht habe, sagte Polizeisprecher Marco Kopitz am Donnerstag. Die Verfasserin beschreibe darin, wie eine Gruppe Asylbewerber drei Mädchen hinterhergepfiffen und ihnen einen Kussmund zugeworfen habe.

Eine Anzeige dazu liege der Polizei nicht vor, sagte Kopitz. „Der Eintrag ist im Internet mittlerweile auch gelöscht.“ Da die Polizei die Verfasserin aber kenne, wolle sie sich mit ihr in Verbindung setzen, um zu prüfen, ob es die Belästigung tatsächlich gab. Offen ist auch noch, warum die Angreifer augenscheinlich zielgerichtet drei Syrer suchten - in dem besagten Facebook-Text seien sie nicht identifiziert worden. „Ob der Eintrag wirklich der Auslöser war, müssen wir aber auch noch prüfen“, so Kopitz.

War er es, dann ist ein Phänomen für die Polizei aber ein ernster Grund zur Sorge: die schnelle Eskalation durch zum Teil anonyme Einträge in sozialen Netzwerken. Aufrufe zur Lynchjustiz habe es etwa auch gegeben, als in Aschersleben im vergangenen Jahr ein Hund aus einem Fenster geworfen wurde, erinnerte sich Kopitz. Die Situation habe damals nur mit Mühe und Mahnungen der Polizei, auf Selbstjustiz zu verzichten, beruhigt werden können. „Auf der anderen Seite machen wir mit den Netzwerken aber auch gute Erfahrungen“, sagte der Polizeisprecher. Bei Suchaktionen seien sie oft eine wertvolle Hilfe.

In Schönebeck werde die Polizei das Asylbewerberheim nach diesem Vorfall bei ihren Streifen jetzt verstärkt im Auge behalten, kündigte Kopitz an. Zudem würden Zeugen gesucht, die am Mittwoch zwischen 21.30 und 22 Uhr im Bereich der ehemaligen Schifferschule Verdächtiges beobachtet haben. Weil ein fremdenfeindlicher Hintergrund angenommen werden müsse, ermittle der Staatsschutz wegen Landfriedensbruch.

Azubis neben Flüchtlingen

Das Heim wurde laut Landkreis bis vor kurzem ausschließlich von Auszubildenden bewohnt. Seit Ende Juli leben darin neben Berufsschülern auch Flüchtlinge. Derzeit sind es 22, künftig sollen es 43 sein. Anlass für die seit dem 8. August laufende Betreuung durch einen Wachdienst sei der Schutz der Bewohner aufgrund der befristeten Mischbelegung gewesen, teilte der Kreis mit. Eine angebliche frühere Belästigung - auch sie ohne Anzeige - sei nicht der Grund für die Sicherheitsvorkehrungen gewesen. (mz)