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Unbegleitete Jugendliche in Sachsen-Anhalt: Jung, allein und heimatlos

Familien aus Syrien leben im Helbraer Flüchtlingsheim.

Familien aus Syrien leben im Helbraer Flüchtlingsheim.

Foto:

Jürgen Lukaschek

Halle -

Die Zahl der minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlinge ist in Sachsen-Anhalt stark gestiegen - und wird sich weiter erhöhen. Anfang 2016 wurden 919 Kinder und Jugendliche gezählt, ein Jahr zuvor waren es 83. Grund sind nicht nur die generell gestiegenen Asylbewerberzahlen, sondern auch ein neuer Verteilungsschlüssel zwischen den Bundesländern, der seit November gilt.

Bisher ungleichmäßig verteilt

„Die minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlinge waren bislang sehr ungleichmäßig in Deutschland verteilt und haben dabei insbesondere in den Ballungszentren in den alten Bundesländern gelebt“, sagte Thomas Pleye, Präsident des Landesverwaltungsamtes, am Freitag. Um eine gerechtere Aufteilung zu erreichen, wird künftig wie bei den anderen Flüchtlingen auch der sogenannte Königssteiner Schlüssel verwendet. Der sieht vor, dass Sachsen-Anhalt 2,83 Prozent aller Flüchtlinge aufnimmt. Diese Quote ist bei den minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen aber noch nicht erreicht. „Wir sind bei der Hälfte“, sagte Pleye. Dem Ziel von 2,83 Prozent komme das Land auch nur schrittweise näher, da die Regelung nur bei Flüchtlingen angewendet wird, die jetzt neu nach Deutschland kommen. Sie gilt nicht für jene, die bereits vor November hier untergebracht waren. „Wir sind auf diese Zahlen zwar gut vorbereitet, die Unterbringung und Betreuung ist aber zugleich eine Herausforderung“, sagte Pleye.

Meisten jungen Flüchtlinge im Harz

In der Praxis werden die ankommenden jungen Flüchtlinge innerhalb von zwei Tagen vom Bundesverwaltungsamt auf die Bundesländer verteilt. Die regeln dann die Aufteilung auf die Landkreise und kreisfreien Städte. Dabei gibt es in Sachsen-Anhalt zwei Schwerpunkte: Die meisten der 919 jungen Flüchtlinge sind aktuell im Harz (296) und im Kreis Stendal (148) untergebracht. Das liegt laut Pleye daran, dass dort mit der Zentralen Anlaufstelle in Halberstadt und der Erstaufnahmestelle in Klietz zwei große Einrichtungen zur Verfügung stehen. „In der Perspektive ist aber eine Angleichung vorgesehen, die sich an der Einwohnerzahl der Kreise und Städte orientiert.“

Die meisten minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlinge kommen aus den Syrien, Eritrea und Afghanistan. Sie sind in der Regel zwischen 15 und 17 Jahre alt und fast ausnahmslos Jungen. Sind sie in den Kreisen angekommen, werden zunächst der Bildungs- und Gesundheitszustand überprüft, dazu gehören auch mögliche traumatische Belastungen. Danach werden die Flüchtlinge auf geeignete Heime oder andere Betreuungseinrichtungen verteilt. (mz)