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Umstrukturierung beim Rundfunk: MDR Info kehrt Halle den Rücken

Das Funkhaus des Mitteldeutschen Rundfunks in Halle. Im Vordergrund sind Figuren des Göbel-Brunnes auf dem Hallmarkt zu sehen.

Das Funkhaus des Mitteldeutschen Rundfunks in Halle. Im Vordergrund sind Figuren des Göbel-Brunnes auf dem Hallmarkt zu sehen.

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Günter Bauer

Halle (Saale) -

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) bereitet eine massive Umstrukturierung vor. Unter anderem soll nach jetziger Planung der Nachrichtensender MDR Info von Halle nach Leipzig umziehen. Im Gegenzug könnten in Halle die kleineren Ressorts Kultur, Wissen, Bildung, Medienkompetenz und Jugend gebündelt werden. Das ist Teil des Projekts „MDR 2017“. Unterm Strich verliert die Saalestadt nach MZ-Informationen 45 feste Arbeitsplätze. Die Landespolitik pocht allerdings auf einen Ausgleich - und die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt verspricht, dass der Standort Halle „im Gegenteil deutlich gestärkt“ werde, so MDR-Sprecher Walter Kehr.

Konzentration nach Inhalten und Ressorts

Derzeit ist in Halle die Hörfunkdirektion mit MDR Info, dem Kulturradio Figaro sowie den Jugendsendern Jump und Sputnik in einem Gebäude am Hallmarkt untergebracht. Der MDR will sich künftig bei dem laut Kehr „umfangreichen Veränderungsprozess“ nicht mehr nach den technischen Wegen Fernsehen (Leipzig) und Radio (Halle) organisieren. Stattdessen will die Dreiländeranstalt ihre Mitarbeiter nach Inhalten und Ressorts konzentrieren. Konkret würde nach dem Wechsel von MDR-Info nach Leipzig das Ressort „Nachrichten und Hintergrund“ sowohl für das Fernsehen als auch das Radio und das Internet produzieren - sogenanntes „trimediales Arbeiten“. So solle die „publizistische Kraft in allen relevanten Mediengattungen und Ausspielwegen qualitativ und quantitativ“ gestärkt werden.

Wird Sachsen-Anhalt zum Verlierer?

Die Neuausrichtung ist keine Privatsache - der MDR finanziert sich vor allem über die Haushaltsabgabe und wird von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen getragen. „Grundsätzlich finde ich das gut“, bewertete Sachsen-Anhalts für Medien zuständige Staatsminister Rainer Robra (CDU) die Pläne. Die Kultur- und Wissensredaktion in Halle zu bündeln, „passt auch gut zur Leopoldina“. Die Nationale Akademie der Wissenschaften hat ihren Sitz in Halle. Robra schränkt aber ein: „Am Ende muss Halle personalwirtschaftlich so dastehen wie jetzt.“ Ähnlich äußerte sich Stefan Gebhardt, Linken-Abgeordneter und Rundfunkrat. „Sachsen-Anhalt darf nicht der Verlierer dieses Prozesses sein“, sagte er. Laut Robra könne die Landespolitik ihre Forderungen auch durchsetzen. „Wir haben einen Hebel mit dem Staatsvertrag.“

Der ist die Rechtsgrundlage des MDR und müsste laut Robra für die Reform geändert werden. Der MDR sieht das anders. Man bewege sich innerhalb der Vorgaben des Staatsvertrages. Ohnehin geht Sendersprecher Kehr von einem Nullsummenspiel aus. Wenn man freie Mitarbeiter und Teilzeitkräfte einrechne, sei in „der Gesamtbetrachtung des Mitarbeitereinsatzes“ die Bilanz ausgewogen. In internen Protokollen des MDR sieht das anders aus. Die „Projektgruppe 17“ plant mit dem Wegzug von 90 Arbeitsplätzen aus Halle und dem Zuzug von 45 nach Halle. (mz)