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Umfrage in Sachsen-Anhalt: EU-Pläne sorgen für Ängste bei Handwerkern

Uhr | Aktualisiert 26.01.2013 09:59 Uhr

Die Handwerksbetriebe im Norden Sachsen-Anhalts blicken trotz stabiler wirtschaftlicher Entwicklung mit gedämpften Erwartungen ins neue Jahr. (FOTO: DPA)

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Unbezahlte Rechnungen und hohe Energiepreise machen Handwerkern bereits heute Sorgen. Bald sollen sie auch noch Geld für ihre Arbeit nicht mehr sofort, sondern erst viel später bekommen dürfen.
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Halle (Saale)/Magdeburg/DPA. 

Handwerker in Sachsen-Anhalt klagen über eine schlechte Zahlungsmoral und sehen nach eigener Einschätzung noch schwereren Zeiten entgegen. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Grund: Derzeit setzt Deutschland eine Gesetzgebung der EU um, wonach Kunden künftig noch mehr Zahlungsspielraum bekommen sollen. „Erste Entwürfe gehen davon aus, dass 90 Tage verstreichen können ehe für eine Leistung gezahlt wird“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, Burghard Grupe. Sollte das so umgesetzt werden, würde es das Handwerk mit seinen oft kleinen Betrieben hart treffen. Bislang müssten Rechnungen sofort bezahlt werden.

Im Kammerbezirk Halle klagen die Betriebe bereits jetzt über eine Zunahme unbezahlter Rechnungen. Jede sechste Firma (16 Prozent) dort sieht die schlechte Zahlungsmoral als Hindernis für die Entwicklung des Unternehmens an. 2011 sah dies jede zehnte Handwerksfirma (9,7 Prozent) so, hieß es. Laufende Kosten wie für Personal, gestiegene Energiepreise und Material drohten Firmen zu erdrücken, zumal wenn Kunden ihre Rechnungen nicht bezahlten. Kleinen Unternehmen fehle es oftmals an finanziellen Rücklagen oder prall gefüllten Auftragsbüchern, um Außenstände überbrücken zu können. Die Firmen, die bereits heute mit höheren Rohstoff- und Energiepreisen kämpften, kämen dann noch mehr unter finanziellen Druck.

Die Industrie hat offenbar weniger Probleme mit offenen Rechnungen oder kann dies besser abfedern. „In meinem Unternehmen spüre ich nichts von schlechter Zahlungsmoral“, sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer Magdeburg, Klaus Olbricht. Es sei ihm aus seinem Umfeld auch nichts über derartige Klagen bekannt. Bei der IHK Halle-Dessau ist dies wohl ähnlich. „Wir sehen momentan keine Pleitewelle auf uns zukommen“, sagte der Leiter Standortpolitik, Christoph Wockenfuß.

Nach Ansicht von Wirtschaftsexperten hat die Konjunktur einen großen Einfluss auf die Zahlungsmoral von Auftraggebern in Industrie und Handwerk. Ist sie gut, wird eher pünktlich gezahlt, ist sie schlecht, warten Auftraggeber schon mal die Mahnung ab, ehe das Geld an Firmen oder Dienstleister überwiesen wird. „Die Entwicklung der Zahlungsmoral hängt immer von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ab“, sagte Wockenfuß.