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Überfall-Serie in Magdeburg: Mutmaßliche Sexualstraftäter müssen sich verantworten

Justizia-Statue

Justitia, der römischen Göttin der Justiz und der Gerechtigkeit, mit Waage und Schwert.

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dpa

Magdeburg -

Gut vier Monate nach einer Serie von Sexualstraftaten in Magdeburg hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei mutmaßliche Täter erhoben. Nach einer Mitteilung von Staatsanwaltschafts-Sprecher Frank Baumgarten werden einem 31-jährigen und einem 19-jährigen Afghanen Vergewaltigung beziehungsweise sexuelle Nötigung und Körperverletzung vorgeworfen. Nach der Straftatenserie war es in Magdeburg unter anderem zu einer heftig brodelnden Gerüchteküche und fremdenfeindlicher Hetze in den sozialen Medien gekommen.

Laut Anklage soll der Ältere der beiden am 4. Oktober 2015 auf einem Friedhofsgelände eine 24-Jährige überfallen und vergewaltigt haben. Der Jüngere habe das Opfer direkt danach verfolgt und noch in der selben Straße auf eine Grünfläche gezerrt, um sie ebenfalls zu vergewaltigen. Dies sei aufgrund der Gegenwehr der Frau gescheitert. Die beiden Tatverdächtigen sollen sich nach früheren Angaben der Ermittler zumindest kennen.

Falschmeldungen im Internet

Dem 30-Jährigen werden in der Anklage der Staatsanwaltschaft zudem drei weitere Übergriffe auf Frauen angelastet. In zwei Fällen am 21. und 25. Oktober konnten sich die Opfer losreißen und fliehen. Bei der letzten Tat am 30. Oktober sei das Opfer von dem Tatverdächtigen zu Boden geschlagen, dann mit Fußtritten traktiert und zwischen die Beine gefasst worden. Als eine Zeugin aufmerksam wurde, sei der Mann geflohen. Er konnte jedoch noch in der Nähe festgenommen werden, sitzt seitdem in Untersuchungshaft und schweigt.

Dem Jüngeren, der die Vorwürfe laut Staatsanwaltschaft bestreitet, kamen die Ermittler wenige Wochen später auf die Spur. Auch er sitzt in U-Haft. In beiden Fällen gibt es laut Behörde DNA-Beweise.

Insbesondere nach dem letzten Überfall hatte es im Internet etliche Gerüchte und Falschinformationen gegeben - etwa war dort der Tod des Opfers gemeldet worden, obwohl es noch lebt. Als drei Tage später in Magdeburg mehrere Syrer von 30 Vermummten überfallen wurden, vermuteten Beobachter einen direkten Zusammenhang mit Fremdenhass, der sich im Netz hochgeschaukelt hatte. Facebook-Nutzer hätten sich nach dem Fall vom 30.Oktober in Gewaltfantasien gesteigert und angekündigt, nun selbst aktiv werden zu wollen.

Wiederum wenig später wurden in Magdeburg die Büros mehrerer Politiker mit Hassparolen und Drohungen beschmiert. Einer der Betroffenen war der Landtagsabgeordnete Sören Herbst (Grüne). Er hatte Anzeige wegen der Hasspostings auf Facebook erstattet. (mz/lö)