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Thüringen: Die Gefahr im Boden

01.11.2010 07:43 Uhr | Aktualisiert 01.11.2010 22:48 Uhr
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Krater in Thüringen

Die Luftbildaufnahme zeigt Das Erdloch in der Walter-Rathenau-Straße in Schmalkalden. Die Größe schätzen Einsatzkräfte auf rund 30 mal 40 Meter. (FOTO: DPA)

Von HENDRIK KRANERT-RYDZY
Das Landesbergamt warnt vor Erdfällen auch in Sachsen-Anhalt. Damit müsse in vielen Teilen des Landes immer wieder gerechnet werden, hieß es am Montag, nachdem sich mitten im thüringischen Schmalkalden ein Krater von 30 Meter Durchmesser und 20 Meter Tiefe geöffnet hatte.
MAGDEBURG/MZ. 

Wie durch ein Wunder wurde bei der Katastrophe niemand verletzt, mehrere Menschen mussten aber aus einsturzgefährdeten Häuser in Sicherheit gebracht werden.

In Sachsen-Anhalt ereignen sich im Schnitt zwei solcher Phänomene pro Woche, sagte der Sprecher des Landesbergamtes, Bodo-Carlo Ehling. Das Land gilt damit im bundesweiten Maßstab als besonders betroffen. Dafür gibt es laut Ehling vor allem zwei Gründe: Die zahlreichen Salzlagerstätten und Karstgebiete sowie die zahlreichen Relikte des Altbergbaus. Derzeit registrierten die Fachleute einen starken Anstieg von Kraterbildungen, was auf die enormen Regenmengen der vergangenen Wochen zurückzuführen sei, so Ehling: "Es kommt dabei in der Nähe der Erdoberfläche zur Bildung von Hohlräumen, die letztlich einstürzen."

Derzeit gehen auch die Experten in Schmalkalden davon aus, dass eine Salz- oder Gipsschicht unter der Stadt ausgewaschen wurde und die entstandene Höhle einstürzte. Dass alte Stollen aus dem Bergbau zu dem Unglück führten, wird indes ausgeschlossen.

In Sachsen-Anhalt sorgt auch Bergbau immer wieder für die so genannten Tagesbrüche - unterirdische Hohlräume stürzen ein und nachrutschende Schichten verursachen Löcher an der Erdoberfläche. Auch sie häufen sich derzeit, sagt Altbergbau-Experte Gerhard Jost vom Landesbergamt. Normalerweise registriere man 50 Tagesbrüche pro Jahr; 2010 sind es aber bereits 120. Das ist aber noch immer wenig im Vergleich zum Jahr 2003, als sich in nur drei Monaten 360 Löcher auftaten. Betroffen sind vor allem Flächen über alten Braunkohle-Tiefbauen. Weil es sich dabei oftmals um wilde Gruben handelt, die in keiner Karte verzeichnet sind, seien diese besonders problematisch, so Jost. Sicherungsmaßnahmen können meist erst erfolgen, wenn sich das erste Loch bereits aufgetan hat.

Noch schwieriger scheint die Situation bei den auf natürlichem Wege entstehenden Kratern. "Große Teile Sachsen-Anhalts sind gefährdet, eine genaue Vorhersage, wo es zu einem Erdfall kommt, ist daher nicht möglich", sagt Geologe Ehling. Er mahnt daher Häuslebauer in den von natürlichen Erdfällen und bergbaulichen Tagesbrüchen gefährdeten Regionen zu besonderer Vorsicht. "Es ist nie verkehrt, beim Hausbau auch unter den Teppich zu gucken", sagt Ehling. Wer im Karst oder auf Salzlagerstätten baue, müsse besonders vorsichtig sein: "Erdfälle sind ein Naturereignis, es gibt kaum eine Möglichkeit, sich dagegen zu versichern." Nur vorbeugen ist möglich - etwa mit einer - relativ teuren - Erkundungsbohrung oder mit speziellen Fundamenten. Droht hingegen Altbergbau zu Schäden zu führen, kümmert sich das Landesamt um Gefahrenabwehr und erste Sicherungsmaßnahmen.

Unterdessen sorgte am Montag in Helbra (Mansfeld-Südharz) ein Gasaustritt für Aufregung. Auf dem Gelände der einstigen Kupferhütte Helbra stieg gelb-brauner Rauch aus dem Boden auf. Gegen Abend wurde Salpetersäure nachgewiesen, das Gelände wurde abgesperrt. Evakuierungen waren nicht geplant. Heute soll eine Spezialfirma mit der Entsorgung der Schadstoffe beginnen.