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Technik aus Sachsen-Anhalt für Saudi-Arabien: Kühlung für Mekka

Das Modell zeigt, wie das Mega-Hotel aussehen soll.

Das Modell zeigt, wie das Mega-Hotel aussehen soll.

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court. of dar al

Sangerhausen -

Technik aus Sachsen-Anhalt wird mit dafür sorgen, dass zehntausende Pilger in Mekka nicht ins Schwitzen geraten. 2017 wird in dem saudi-arabischen Wallfahrtsort der größte Hotel- und Bürokomplex der Welt eingeweiht. Der Schaltschrank-Hersteller Feag aus Sangerhausen liefert für das Projekt die sogenannten Sanftstarter, die Teil der Klimatechnik sind. Diese versorgt den gigantischen Hochhauskomplex „Abraj Kudai“, der rund 10 000 Zimmer und 70 Restaurants umfassen soll, mit angenehmen Temperaturen. „Das Projekt zählt zu den größeren Aufträgen für unsere Firma“, sagt Feag-Geschäftsführer Heiko Koschmieder der MZ. Man liefere einer anderen Firmen zu.

Absatzmarkt gewinnt an Bedeutung

Saudi-Arabien wie auch andere Staaten der Golfregion gewinnen als Absatzmarkt für Unternehmen aus Sachsen-Anhalt an Bedeutung. Von Januar bis September 2015 kauften die Scheichs Waren im Wert von 78,7 Millionen Euro direkt. In der Exportstatistik liegt Saudi-Arabien auf Platz 25, die Vereinigten Arabischen Emirate mit 45 Millionen Euro auf Platz 37. Geliefert werden vor allem Anlagen für die Öl-Industrie und Infrastruktur-Vorhaben. Da viele Betriebe im Land als Zulieferer für westdeutsche Konzerne arbeiten, die exportstark sind, dürften noch viel mehr Teile „made in Sachsen-Anhalt“ in der Golfregion verkauft werden.

Die Feag lieferte für das Hochhausprojekt in Mekka 24 Sanftstarter. Dabei handelt es sich um metergroße Schaltschränke, die dafür sorgen, dass die Motoren der Klimaanlagen langsam angefahren werden. „Die Leistung jeder Klimaanlage beträgt bis zu zehn Megawatt“, erklärt Feag-Chef Koschmieder. Da müsse die Technik mit hoher Präzession arbeiten. Das Unternehmen mit 180 Mitarbeitern liefere den Kunden individuelle Lösungen.

In den vergangenen Jahren waren zahlreiche Unternehmen aus Sachsen-Anhalt an Prestigeprojekten im Mittleren Osten beteiligt. So baute Guardian Flachglas aus Bittefeld-Wolfen am höchsten Gebäude der Welt, dem Burj Khalifa, in Dubai mit. Das Unternehmen lieferte das Sonnenschutzglas für die Fassade des 828 Meter hohen Wolkenkratzer, der 2008 fertig wurde. Mit Sonnenmodulen stattete die Solarfirma Calyxo aus Bitterfeld-Wolfen die Fassade eines 135 Meter hohen Gebäudes in Beirut (Libanon) und eines großen Carports in Dubai aus. „Das sind interessante Aufträge für uns“, sagte Calyxo-Chef Florian Holzapfel zuletzt. Weltweit würden somit potenzielle Kunden aufmerksam. Wasserpumpen der Oddesse Pumpen- und Motorenfabrik in Oschersleben (Börde) werden in Saudi-Arabien eingesetzt.

Niedriger Ölpreis ist Gefahr

Durch den niedrigen Ölpreis, den Krieg in Syrien und den eskalierenden Streit zwischen Saudi-Arabien und Iran droht allerdings die Gefahr, dass die Geschäfte ins Stocken geraten. „Die positiven Erwartungen könnten gedämpft werden“, sagt Andreas Müller, Leiter des Bereichs Außenwirtschaft bei der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. Andererseits stehen mit der Expo 2020 in Dubai und der Fußball-WM 2022 in Katar Großveranstaltungen an, die zu hohen Investitionen in die Infrastruktur führen. Deutsche Technik wird da gefragt sein. (mz)