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Tafeln: Zahl der Bedürftigen im Land hat sich in zehn Jahren verdoppelt

Es werden immer mehr Menschen, die bei der Weißenfelser Tafel auf Unterstützung angewiesen sind.

Es werden immer mehr Menschen, die bei der Weißenfelser Tafel auf Unterstützung angewiesen sind. Wo soll das alles enden? 

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Peter Lisker

Halle (Saale) -

In Sachsen-Anhalt ist die Zahl von Bedürftigen, die auf die sogenannten Tafeln angewiesen sind, auf einem Höchststand. Im Land sind vor allem Ältere auf gespendete Lebensmittel angewiesen. Verantwortliche sprechen von einem drastischen Anstieg seit dem Jahr 2007. „Allein in den letzten zehn Jahren verdoppelte sich die Zahl der Bedürftigen“, sagte Tafel-Landesvorsitzender und SPD-Landtagsabgeordneter Andreas Steppuhn der MZ. Insgesamt nutzen laut Steppuhn derzeit gut 52.000 Menschen das soziale Angebot - im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von rund 14 Prozent. Dabei steuern laut Steppuhn zunehmend Senioren die Tafeln an. Landesweit machten sie bereits rund ein Viertel der Bedürftigen aus. Im gesamten Bundesgebiet ist die Entwicklung ähnlich.

Tafeln: Zeichnen für zunehmende Armut allgemein und Altersarmut im Speziellen

In Halle übertrifft die Zahl der Senioren sogar den Landes- und Bundesdurchschnitt, die beide gleich hoch sind: „Rund vier Prozent mehr Senioren kommen hier zur Tafel“, sagt Elke Ronneberger, Vorstandsvorsitzende der halleschen Stadtmission, dem Träger der Tafel im Stadtteil Neustadt. Ronneberger Macht mehrere Ursachen aus: Zum einen den demografischen Wandel, der den Anteil Älterer an der Gesamtbevölkerung steigen lässt, zum anderen verhältnismäßig niedrige Renten sowie die Konzentration von Bedürftigen in Halle-Neustadt.

Trotz sinkender Arbeitslosigkeit, dem Mindestlohn und wachsendem Bruttosozialprodukt sieht Steppuhn in der gestiegenen Nachfrage nach den Tafeln ein deutliches Zeichnen für zunehmende Armut allgemein und Altersarmut im Speziellen. „Insbesondere die Altersarmut als Folge von Niedriglöhnen hat in den letzten 25 Jahren zugenommen. Das hat zu niedrigen Renten geführt“, so Steppuhn. Die sehr hohe Arbeitslosigkeit in den Jahren nach der Wiedervereinigung habe deutliche soziale Spuren hinterlassen.

Sozialministerin Petra Grimm-Benne: Hinweis auf oft sehr kleine Renten

Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) argumentiert ähnlich. Dass insbesondere Senioren die Angebote nutzten, verweise auf die oft sehr kleinen Renten, sagte sie der MZ. Trotz wirtschaftlichen Aufschwungs lebten viele Menschen am Existenzminimum.

Das Prinzip der Tafel gibt es in Deutschland seit rund 25 Jahren. Berechtigt ist jeder, der auf staatliche Hilfe angewiesen ist und das beispielsweise mit einem Hartz-IV-Bescheid belegen kann.

Anstieg der Tafel-Nutzer auch durch gestiegene Anzahl von Flüchtlingen bedingt

Auf die Tafeln sind neben den Senioren fast genauso viele Kinder angewiesen. Die andere Hälfte der Tafel-Nutzer sind Erwachsene im erwerbsfähigen Alter. Einen weiteren Grund gibt es für den Anstieg der Tafel-Nutzer: Seit die Zahl der Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt 2015 zugenommen hat, seien auch mehr Flüchtlinge bei den Tafel gezählt worden, hieß es.

Den Bedarf an Lebensmitteln decken die Tafeln vor allem durch Kooperationen mit Supermärkten, aber auch Spenden anderer Firmen. Allerdings könne der Bedarf nicht immer regional gedeckt werden, so dass Transportkosten anfallen. „Eine Palette Lebensmittel von A nach B im Land zu transportieren, kostet durchschnittlich etwas mehr als 50 Euro“, so Steppuhn. Um die Transportkosten so gering wie möglich zu halten, wurden bereits zwei zentrale Lager in Quedlinburg und bei Wanzleben eingerichtet. (mz)