Vorlesen

Streik im öffentlichen Dienst: Müssen Sachsen-Anhalts Schüler nach den Ferien zuhause bleiben?

Uhr | Aktualisiert 25.01.2013 17:16 Uhr
lehrer in Sachsen-Anhalt könnten nach den Winterferien streiken. (SYMBOLFOTO: DPA) 
Von
An Schulen in Sachsen-Anhalt kann es nach den Winterferien ab 11. Februar zu Streiks und Unterrichtsausfall kommen. Am 31. Januar beginnt die bundesweite Tarifrunde für den Öffentlichen Dienst der Länder. Wenn sich die Arbeitgeber kompromisslos zeigen, ist mit Protestaktionen zu rechnen.
Drucken per Mail
Halle (Saale)/MZ. 

An Schulen in Sachsen-Anhalt kann es nach den Winterferien ab 11. Februar zu Streiks und Unterrichtsausfall kommen. Am 31. Januar beginnt die bundesweite Tarifrunde für den Öffentlichen Dienst der Länder. Wenn sich die Arbeitgeber kompromisslos zeigen, sei mit Protestaktionen zu rechnen, sagte Verdi-Vorstand und Verhandlungsführer Achim Meerkamp. In Sachsen-Anhalt tagte am Donnerstag erstmals die "Arbeitskampfleitung" der Lehrergewerkschaft GEW. "Das läuft jetzt an", sagte Sprecher Hans-Dieter Klein.

Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD), Verhandlungsführer der Länder, signalisiert Härte. Die geforderte Tariferhöhung von 6,5 Prozent "ist gerade im Osten überhaupt nicht vorstellbar", sagte er. Bundesweit geht es um die Gehälter von 840 000 Tarifbeschäftigten.

Zurzeit entscheiden die Länder allein, wie sie angestellte Lehrer bezahlen - in Sachsen-Anhalt sind das 14 000, bundesweit 200 000. Dabei gruppieren sie Lehrer unterschiedlich ein, Gewerkschafter sprechen von Willkür. Ihr Ziel: Alle Lehrer werden eingestuft wie andere Akademiker auch. Unterstützt wird das vom Sekundarschullehrer-Verband Sachsen-Anhalt. Vorsitzende Claudia Diepenbrock verweist auf die "extrem gestiegenen Arbeitsbelastungen der Lehrer". Klein sieht vor allem für Grundschullehrer Nachholbedarf, das sind ein Viertel der insgesamt 17 000 Lehrer - Beamte eingeschlossen - im Land. Die Grundschullehrer erhalten bis zu 400 Euro pro Monat weniger als Kollegen an anderen Schulen. Die werden wie andere Akademiker höher eingestuft. Grundschullehrer starten mit 2 700 Euro brutto und erreichen bis zu 4 400 Euro monatlich.

In den Lehrerzimmern gebe es "ungeheuerlichen Frust", sagte Klein. Lehrermangel, hoher Altersdurchschnitt, der gemeinsame Unterricht von Behinderten und Nichtbehinderten - "das sind viele neue Belastungen". Und es gebe keine Entlastungsangebote. So bestehe hohe Streikbereitschaft. Spitze sich der Tarifstreit zu, gebe es örtlich begrenzt Warnstreiks. "Wir wollen dabei erreichen, dass kein Unterricht stattfindet", sagte Klein. Später seien flächendeckende Aktionen möglich.

Das Kultusministerium werde bei Streiks alles tun, um den Unterricht aufrecht zu erhalten, sagte ein Sprecher. Vor allem an Grundschulen solle die Betreuung der Kinder sichergestellt werden.

Bullerjahn bezeichnete die Streikdrohungen als Rituale. Er verwies darauf, dass die 6,5-Prozent-Forderung allein für Sachsen-Anhalt Mehrausgaben von 180 Millionen Euro jährlich brächte. "Eine solche Forderung können wir schlichtweg nicht erfüllen." Er erwarte, dass sich beide Seiten auf einen vertretbaren Kompromiss einigen können.

Auch interessant