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Sparkurs in Sachsen-Anhalt: Hochschulen wehren sich gegen geplante Kürzungen

Uhr | Aktualisiert 02.11.2014 20:37 Uhr

Studenten in einem Hörsaal

(BILD: dpa)
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Die Hochschulen in Sachsen-Anhalt wehren sich gegen Kürzungspläne der Landesregierung. Halles Unirektor Udo Sträter warnte davor, die Hochschullandschaft kaputt zu sparen. Der Rektor der Fachhochschule Merseburg, Jörg Kirbs, erklärte, kein Rückholprogramm schaffe es, so viele junge Leute aus dem Westen anzuziehen wie dies die Universitäten schaffen würden.
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HALLE/MZ

Zu viele Studienplätze, zu hohe Ausgaben pro Student, zu viele überflüssige Studiengänge: Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) wollen vor allem im Hochschulbereich den Rotstift ansetzen. Und das nach einem klaren Fahrplan: Ab 2015 gibt es jedes Jahr fünf Millionen Euro weniger. Ein Ansatz, bei dem Halles Unirektor Udo Sträter nur den Kopf schütteln kann. „Lineare Kürzungen in der Form machen die Hochschullandschaft kaputt“, erklärte er gestern der MZ. „Da ist einfach nicht genug nachgedacht worden.“

Der Rektor stört sich aber auch an den Zielvorgaben der Landesregierung, nach denen die Hochschulen die Zahl der Studienplätze von 55.000 auf 33.000 reduzieren sollen. „Universitäten sind doch fast die einzigen Institutionen, die noch in nennenswertem Umfang junge Leute ins Land ziehen“, sagte Sträter vor dem Hintergrund sinkender Bevölkerungszahlen.

Ähnlich äußerte sich auch der Landeschef der SPD-Jugendorganisation Jusos, Andrej Stephan, und erinnerte daran, dass Bullerjahn bisher Kürzungen ausgeschlossen hatte, solange die Studentenzahlen stabil seien. „Ich halte es für einen Fehler und für zu kurz gesprungen, in diesem Bereich zu streichen. Denn Bildung ist einer der wenigen Rohstoffe, die wir in Sachsen-Anhalt haben.“ Hochschulen im Osten würden für westdeutsche Studenten immer attraktiver, „da kann man nicht an allen Ecken und Enden kürzen, das ist einfach uninspiriert“.

So ist die Zahl der Studenten in Halle auch durch Zuzüge aus den alten Bundesländern inzwischen auf über 20.000 gestiegen. Viele bleiben anschließend in der Region - wie auch das Beispiel der Fachhochschule Merseburg (Saalekreis) zeigt. Nach Auskunft von Rektor Jörg Kirbs halten 43 Prozent der Absolventen aus dem Westen der Region nach dem Studium die Treue. „Da kann Herr Haseloff 100 Mal in die alten Bundesländer fahren und sich mit anderen Ministerpräsidenten zum Frühstück verabreden, das kriegt der nie hin, wie wir die Leute ins Land zu holen.“

Juso-Chef Stephan kritisierte jedoch auch Wissenschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU), „von der zur Zukunft der Hochschulen einfach nichts kommt“. Stephan monierte zudem, dass die Landesregierung selbst zu wenig spare. „Es muss die Frage erlaubt sein, ob wir tatsächlich acht Ministerien brauchen oder der Finanzminister zwei Staatssekretäre.“

Skeptisch zu den Kürzungsplänen hatte sich auch Wolff selbst geäußert. Es sei nicht möglich, „von jetzt auf gleich so viel Geld aus den Hochschulen zu ziehen“. Doch die Ministerin muss auch in ihrem zweiten Zuständigkeitsbereich, der Wirtschaft, mit Einschnitten rechnen. Ministerpräsident Haseloff will EU-Fördermittel nicht mehr in jedem Fall abrufen. Dies soll nur dann geschehen, wenn starke Effekte für das Land zu erwarten seien. Und keinesfalls sollten neue Schulden für die erforderliche Gegenfinanzierung gemacht werden.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau stößt der Ansatz auf Zustimmung. „Eine Schuldenfinanzierung macht keinen Sinn“, sagte Christof Wockenfuß, Leiter des Bereiches Standortpolitik. Er schließt auch nicht aus, dass in der Vergangenheit wenig nachhaltige Projekte gefördert und mit Steuergeldern gegenfinanziert worden sind. „Das hat aber vermutlich mehr den öffentlichen Bereich betroffen als die Wirtschaft.“

Die geplanten Kürzungen in der Verwaltung begrüßt die IHK ebenfalls. Problematisch, so Wockenfuß, seien die Sparpläne im Bereich Infrastruktur und Hochschule. „Investitionen in den Bereichen sind Investitionen in die Zukunft.“ Dies gelte um so mehr, als dass es bei Verkehrsprojekten einen großen Investitionsstau gebe.

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