Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Sonnenstrom : Lichtblick für Solarfirmen

Solarzellenverbindungen

Wissenschaftliche Mitarbeiter betrachten Solarzellenverbindungen an einem Ultraschallmessplatz im neuen Technikum in Halle

Foto:

dpa

Halle (Saale)/MZ -

Die kriselnde Solarbranche in Sachsen-Anhalt und in ganz Deutschland steht nach Expertenangaben vor einem Wiederaufschwung. „Das ist von Firma zu Firma sicher unterschiedlich, aber ab 2014 werden etliche Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben“, sagte Jörg Bagdahn, Leiter des Fraunhofer-Centers für Silizium-Photovoltaik (CSP) in Halle. Fachleute gehen davon aus, dass der Preissturz bei Solarprodukten zu Ende ist.

Ein Motor für die wachsende Wettbewerbsfähigkeit der Branche soll das mit hohen Fördermittelbeträgen aufgerüstete CSP sein, in dem an Produktionsverfahren für preiswerte und leistungsstarke Solarmodule geforscht wird. Für das Center ist gestern ein 47 Millionen Euro teurer Neubau eingeweiht worden. Das CSP ist die größte Forschungseinrichtung seiner Art in den neuen Bundesländern. Für die 73 Mitarbeiter und 25 studentischen Hilfskräfte haben sich die Arbeitsbedingungen jetzt wesentlich verbessert: Auf dem Weinberg-Campus im Stadtteil Heide-Süd entstand in 15 Monaten Bauzeit ein Komplex mit Laboren, Technika und Büros. Allein 26 Millionen Euro der Investitionssumme sind in die Neuanschaffung hochmoderner Technik geflossen.

Center bearbeitet 60 Projekte

Das CSP tüftelt unter anderem an der Herstellung von Siliziumkristallen für Solarmodule, die in ihren Eigenschaften dem hochwertigen Halbleiter-Silizium ähnlich, aber preiswerter sind. Darüber hinaus wird an der Herstellung dünner und damit billigerer Siliziumplatten geforscht. Ein weiteres Betätigungsfeld ist die Prüfung von Herstellungstechnologien und von Materialien. Laut Bagdahn bearbeitet das Center aktuell 60 Projekte. Es verfügt über ein Budget mit 7,1 Millionen Euro vom Bund sowie weiteren 2,3 Millionen Euro eingeworbener Mittel der Industrie.

Allerdings sind CSP-Leiter Bagdahn zufolge in den vergangenen Jahren zehn bis zu 20 Prozent der deutschen Solarfirmen pleitegegangen. Grund ist der auch durch Billigmodule aus China verursachte Preisverfall. Zum Vergleich: Solarmodule deutscher Hersteller mit einer Leistung von 1000 Watt haben derzeit einen Endkundenpreis von etwa 1500 Euro. Die Chinesen liegen 20 bis 30 Prozent darunter. Jüngstes Opfer der Krise ist der Solaranlagenbauer SRU Solar AG in Berga (Mansfeld-Südharz), der jetzt Insolvenzantrag gestellt hat. Die Firma beschäftigt noch 20 von einst 160 Mitarbeitern. Nach Angaben von Bagdahn gibt es heute noch etwa 200 Solarunternehmen mit 100.000 Beschäftigten in Deutschland. Die Zahl der Produktionsfirmen liegt laut Statistischen Bundesamt bei 21.

Etwa 100.000 Beschäftigte

Mit Steuermillionen soll die Branche gepäppelt werden: Der allergrößte Teil der Neubaukosten am CSP wurde mit Geld von Land, EU und Bund finanziert. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) verteidigte bei der Einweihungsfeier das Konzept, mit Fördergeld ein Nebeneinander von Forschungs- und Produktionsstätten aufrecht zu erhalten. Der Vorteil der deutschen Solarwirtschaft sei der technologische Vorsprung gegenüber internationalen Konkurrenten.

Gestützt wird dieser Optimismus vom Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme Freiburg, Eicke Weber. Sein Haus kooperiert mit dem CSP. Ihm zufolge werde der Bedarf an Photovoltaik-Technologie drastisch steigen. „Derzeit werden pro Jahr weltweit Anlagen mit einer Gesamtleistung von 30.000 Megawatt errichtet. 2020 werden es 100.000 Megawatt sein.“


Es gibt neue Nachrichten!

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?