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Serienmörder aus Sachsen-Anhalt: Das Monster von Roßlau

Gerhard Denkewitz

Im September 1994 wird Gerhard Denkewitz schlafend auf einem Parkplatz in Halle geschnappt. Dass er nicht nur seine Lebensgefährtin ermordet hat, ahnt niemand.

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Das neue Berlin

Roßlau -

Am letzten Tag seines traurigen Lebens raucht Gerhard Denkewitz. Er wirkt ruhig, gelassen. Er nimmt am Hofgang teil, atmet die frühherbstliche Luft, die im Oktober 2003 über der Colbitz-Letzlinger Heide liegt. Denkewitz ist lange nicht mehr da draußen gewesen, hinter den Zäunen des Landeskrankenhauses für Forensische Psychiatrie. Er sitzt seit fast einem Jahrzehnt hinter Gittern, für immer weggesperrt als Psychopath. Den Mann hat das nie über die Maßen gestört. Jetzt aber beschließt er, dass es genug gewesen ist. Als er zurück ist in seiner Zelle, hängt er sich auf. Mit einem Schal, den er an die Toilettentür knüpft. Gerhard Denkewitz, 45 Jahre alt, Doppelmörder, wurde nicht als suizidgefährdet eingeschätzt. Er hat anderen geschadet. Immer wieder. Sich selbst? Nie.

Denkewitz, 1958 als sechstes Kind einer Roßlauer Familie geboren, die heute als sozial schwach bezeichnet werden würde, ist mehr als einmal unterschätzt worden. Der Mann mit der fliehenden Stirn, früh schon mit einer nach hinten strebenden Glatze geschlagen, gilt als nicht besonders intelligent. Dennoch schafft er es, mit der Hälfte seiner Morde davonzukommen. Mindestens vier Menschen tötet der angehende Baufacharbeiter, das steht fest. Doch nur zweimal wird er zu Lebzeiten erwischt und abgeurteilt. Obwohl er beim ersten Mal gefasst wird, bekommt er die Gelegenheit, es noch einmal zu tun. Und noch einmal.

Das ist erstaunlich, denn Denkewitz mordet ohne Plan. Er ist brutal, kein Gefühl hemmt ihn. Zum ersten Mal stellt er das selbst mit 18 fest, auf einem Tanzsaal im Anhaltischen. Die 26-jährige Beate Rösler fällt Denkewitz zufällig ins Auge. Der Lehrling ist bis dahin nicht auffällig geworden, Bilder zeigen einen Jugendlichen wie viele. Leicht lockiges, leicht längeres Haar, die Figur kompakt. Denkewitz ist ein kräftiger Kerl, der zupacken kann. Er sieht im Grunde sympathisch aus. Beate Rösler will trotzdem nichts von dem Jungen wissen, den sie wohl für viel zu jung für sich hält. Unter Alkohol nimmt Gerhard Denkewitz solche Zurückweisungen übel. Als Beate Rösler sich auf den Weg nach Hause macht, folgt er ihr. Er spricht sie an, greift nach ihr, wirft sie in den Straßengraben. Und weil er sie nicht gleichzeitig festhalten und vergewaltigen kann, erwürgt er sie erst. Und vergeht sich dann an ihr. Als er fertig ist, lässt er die Leiche liegen und geht nach Hause.

Resozialiserung kaum denkbar

Es ist eine dumpfe, dämliche Tat, die von der Volkspolizei schnell aufgeklärt wird. Gerhard Denkewitz ist 19, als er vom Bezirksgericht Halle wegen Mordes in Tateinheit mit versuchter Vergewaltigung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wird. Das Gericht ist nach fachärztlichen Gutachten zur Auffassung gelangt, dass eine Resozialisierung kaum denkbar ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Verurteilte bei passender Gelegenheit erneut zuschlägt, werde nie bei Null liegen. Denkewitz zeige ein psychopathisches Verhalten, Mordlust packe ihn, von der er selbst nicht sagen könne, wozu sie ihn treibe.

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