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SEK-Einsätze in Sachsen-Anhalt: Viermal die falsche Wohnung gestürmt

SEK

Mitglieder eines Spezialeinsatzkommandos (SEK).

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dpa/Archiv

Magdeburg/MZ -

Hochtrainiert und schwer bewaffnet: Die Männer des gut 70-köpfigen Spezialeinsatzkommandos (SEK) in Sachsen-Anhalt sind die härtesten Beamten der Landespolizei. Diese Härte bekommen aber nicht nur böse Buben zu spüren. Zwischen 2009 und 2013 stürmte das SEK in vier Fällen bei unbescholtenen Bürgern durch die aufgebrochene Wohnungstür, zwei Verletzte waren zu beklagen. Grund der Pannen: Die Beamten waren in die falschen Wohnungen geschickt worden.

Mit Details zu den Pannen - etwa zum Einsatzort und den Betroffenen - hält sich das Innenministerium zurück. Wie schwer die Unbeteiligten in den fälschlich gestürmten Wohnungen verletzt wurden, ist nicht klar. Die beiden erhielten jedenfalls mehr als 900 Euro an Arztkosten und insgesamt 1.600 Euro Schmerzensgeld. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Sebastian Striegel hervor.

„Jeder Fehler ist einer zu viel“

Demnach wurde auch gegen einen Beamten ein Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet, aber letztlich kein strafbares Handeln festgestellt. Die Pannen in Sachsen-Anhalt muss man als Einzelfälle einordnen. Das SEK ist in den Jahren 2009 bis 2013 in 307 Wohnungen oder Häuser gestürmt - mithin beträgt die Fehlerquote 1,3 Prozent.

„Das ist auch besser als in anderen Ländern. In Berlin oder Schleswig-Holstein gibt es deutlich mehr Fälle“, sagte Striegel. Einfach abhaken dürfe die Polizei die Pannen dennoch nicht. „Jeder Fehler ist einer zu viel. Für die Betroffenen ist das ein sehr, sehr massiver Effekt, wenn ein schwer bewaffnetes Kommando ihre Wohnung stürmt“, so Striegel. SPD-Innenexperte Rüdiger Erben bewertet das ähnlich, völlig ausschließen könne man Pannen aber nicht. „Man kann nur versuchen, die Fehlerquellen zu minimieren.“

Jeder der vier Pannen sei „bedauerlich und wurde ausgewertet“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums der MZ. Er versicherte, dass die Einsätze des Spezialeinsatzkommandos grundsätzlich nachbereitet würden. „Erfahrungen und Erkenntnisse werden in der Einsatznachbereitung aufgearbeitet und ausgewertet, um zukünftig Fehler zu vermeiden“, versicherte der Ministeriumssprecher.

Die falsche Tür zum Aufbrechen gezeigt

Das Ministerium erklärt die SEK-Pannen durch „eine fehlende beziehungsweise geringe Aufklärungsmöglichkeit der konkreten Wohnungslage vor Ort, Unklarheit der Wohnungslage durch fehlendes Namensschild an den Wohnungstüren und nicht zutreffende Zuweisung des Durchsuchungsobjektes durch Polizeibeamte der sachbearbeitenden Dienststelle“. Übersetzt aus dem Beamtendeutsch heißt das: An den Wohnungstüren stand kein Name, die Beamten konnten vorher nicht feststellen, wer tatsächlich dort wohnt oder der Einsatzleiter hat den Beamten die falsche Tür zum Aufbrechen gezeigt. Das SEK handelt nämlich in der Regel auf Anweisung des Einsatzleiters der örtlichen Polizei.

Das SEK wird meist für Festnahmen gerufen, wenn die Umstände für normale Polizisten zu gefährlich erscheinen. Die Verdächtigen sind meist Berufsverbrecher und im Zweifel bereit, ohne zu zögern massive Gewalt einzusetzen. Entsprechend laufen die Einsätze ab: Für den Überraschungsmoment wird die Tür aufgebrochen, dann stürmt das Kommando die Wohnung, hält alle Anwesenden mit vorgehaltenen Waffen in Schach, zwingt sie auf den Boden und legt ihnen Handschellen an. Erst danach geht es um Details wie die richtigen Personalien. Warum die Einsätze so ablaufen müssen, verdeutlichen Fälle aus anderen Ländern: 2003 wurde ein SEK-Beamter in Berlin beim Zugriff erschossen. 2010 wurde ein Elitepolizist in Rheinland-Pfalz von einem Rocker durch die Wohnungstür angeschossen und erlag später seinen Verletzungen.


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