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Sachsen: Leipziger Vierlinge feiern bald ihr erstes Weihnachten

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Die Eltern der eineiigen Vierlinge, Janett und Marcus Mehnert sitzen mit ihren Kindern Kim, Laura, dem 6-jährigen Lucas, Jasmin und Sophie in ihrer Wohnung in Leipzig. (FOTO: DPA)

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Kim, Sophie, Laura, Jasmin - die Geburt der Leipziger Vierlinge Anfang 2012 gilt als kleines Wunder. Die Familie hat sich inzwischen eingerichtet. Schön, aber stressig lebt es sich mit der Sensation.
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Leipzig/dpa. 

Über sie gibt es einen Wikipedia-Eintrag und einen medizinischen Fachaufsatz; obwohl sie noch kein einziges Wort in ihrem Leben gesprochen haben, sind sie ein bisschen berühmt: die Leipziger Vierlinge Kim, Sophie, Laura und Jasmin. Ihre Geburt im Januar war eine kleine Sensation. Die Chance auf eineiige - und damit natürlich gezeugte - Vierlinge beziffern Experten auf 1:13 Millionen. Jetzt wird das Quartett bald das erste Weihnachtsfest feiern. Mutter Janett Mehnert findet das Leben mit ihrer Sensation einfach „stressig“ - und lacht dabei.

Die zierliche 32-Jährige, die auch noch einen sechs Jahre alten Sohn hat, hat gut zu tun mit den Mädels, die jetzt langsam mobil werden. „Kim fängt schon an zu krabbeln“, berichtet Mehnert. Im großen Laufgitter lägen die Mädchen meist „auf einem Haufen“ dicht an dicht, und sie müsse sie immer mal trennen, sonst gibt es Kratzer. Und auch sonst scheinen die Schwestern sehr ähnlich zu ticken. Während Mehnert von ihrem Alltag erzählt, war eigentlich der Mittagsschlaf geplant. Doch ein ums andere Mal meldet sich das Babyphone und die Mutter holt nacheinander ihre Töchter aus dem Bett - die sich auf den ersten Blick tatsächlich gleichen wie ein Ei dem anderen.

„Ich kann sie auseinanderhalten“, beteuert die Mutter. Bei den Großeltern oder selbst beim Papa klappe das nicht so ganz hundertprozentig. „Wenn die keinen Nuckel drin haben, dann vertut sich mein Mann auch schon mal“, erzählt Mehnert. Mit der Entwicklung ihrer Töchter, die als winzige Frühchen in der 28. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen, sei sie sehr zufrieden. „Sie sind zwar schnell mal krank - Schnupfen, Husten und so -, aber bei meinem großen Sohn war das auch nicht anders. Der hatte ständig Angina.“

Auch der Leiter der Frühchenstation der Uniklinik Leipzig, wo Kim, Sophie, Laura und Jasmin in den ersten zwei Monaten ihres Lebens von Spezialisten intensiv betreut wurden, bestätigt, dass die Kinder einen guten Eindruck machten. „Sie entwickeln sich prima“, sagt Prof. Ulrich Thome. Bei Frühchen spreche man von einem „korrigierten Alter“: Auch wenn die Mehnert-Vierlinge jetzt schon elf Monate auf der Welt seien, müsse man bei ihrer Beurteilung die Wochen abziehen, die sie zu früh geboren wurden. Nach diesem Maßstab entwickelten sich die Mädchen altersgerecht.

Auf die Frage, ob das so zu erwarten war, antwortet der Mediziner: „Es war zu erhoffen. Denn so ganz easy war das mit denen am Anfang nicht.“ Die Vierlinge hätten Atemprobleme gehabt, vergleichsweise häufig habe man ihnen ein Mittel zur Lungenentfaltung verabreichen müssen. Die frühe Geburt in der 28. Woche war nötig geworden, weil das Gleichgewicht zwischen den Vieren im Bauch plötzlich gestört war. Ein Kind schien mehr Blut aus der gemeinsamen Plazenta hinaus- als hineinzupumpen - eine gefährliche Situation für alle vier.

Die Kaiserschnitt-Geburt sei sehr schnell gegangen, erzählt Mehnert. „Ich habe nicht viel mitgekriegt, weil ich mich nur auf meine Kinder konzentriert habe. Mein erster Gedanke war: „Hauptsache, es ist alles in Ordnung“.“ In der Klinik sei sie bestens betreut worden, und noch heute erfahre sie viel Unterstützung von allen möglichen Seiten. Zwei Hebammen helfen ihr beim Baden der Babys. Ihre Mutter sei immer da für sie. Und ganz wichtig sei auch ihre Freundin Claudia, die jeden Morgen um sieben Uhr auf der Matte stehe, um bei den Mädchen zu bleiben, während sie ihren Sohn Lucas zur Schule bringe. Er ist Erstklässler.

Weitere Kinder will die 32-Jährige auf gar keinen Fall haben. „Das war so ein Schock für mich“, erzählt sie. „Wir haben uns auf ein Kind gefreut, und dann sagt die Frauenärztin: „Das sind drei.““ Bei einer weiteren Ultraschall-Untersuchung wurde dann Nummer vier entdeckt. Gemeinsam mit ihrem Mann habe sie sich für die risikoreiche Schwangerschaft entschieden. Bis heute könne sie allerdings nicht begreifen, welche Seltenheit ihre Töchter sind. „Die Ärzte haben mir gesagt: „Das wird hier so nie wieder vorkommen.“ Das kann ich mir nicht vorstellen. Für mich sind es einfach meine Kinder!“

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