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Sachsen-Anhalt: Zahl der Kinderpornografie-Nutzer wächst wieder

Kinderporno-Fahndung

Ein Kriminalbeamter durchsucht verdächtige Foto nach Kinderpornografie.

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ARCHIV/DPA

Magdeburg/MZ -

In Sachsen-Anhalt ist im vergangenen Jahr die Zahl von entdeckten Tätern, die sich kinderpornografisches Material beschafft haben, auf 139 gestiegen. Das ist deutlich mehr als im Jahr 2012, als 97 Fälle registriert wurden, liegt aber noch weit unter dem Spitzenwert von 226 Fällen aus dem Jahr 2008. Gleichzeitig sank die Zahl jener Täter, die Kinderpornos tauschten oder verkauften, von 105 auf 62, sagte Andreas von Koß, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA).

Täter immer raffinierter

Die Zahlen spiegeln nach Ansicht der Leiterin des Cybercrime Competence Center (4C) beim LKA, Petra Paulick, nur bedingt die tatsächliche Situation im Bereich Kinderpornografie im Land wider. Eine allgemeingültige Erklärung für die Schwankungen gebe es nicht. Nach MZ-Informationen klagt aber die Zentralstelle für die Bekämpfung von Kinderpornografie bei der Staatsanwaltschaft Halle darüber, dass nach dem Verbot der Vorratsdatenspeicherung Internetznutzer nun noch schwer zu identifizieren seien. „Man darf aber auch nicht unberücksichtigt lassen, dass die technischen Möglichkeiten der Täter immer besser werden“, sagte Paulick. Es würde extrem geschützte Tauschbörsen genutzt und die eigene IP-Adresse durch die Nutzung von Vor-Netzwerken verschleiert.

Hinzu komme, dass die Datenmengen, die beim LKA zur Überführung der Täter ausgewertet werden müssen, immer größer werden. So sei im vorigen Jahr bei einem einzigen Täter eine kinderpornografische Sammlung entdeckt worden, die 17 Terabyte umfasste. Das entspricht in etwa der Datenmenge von 3?400 Spielfilmen in DVD-Qualität. „Das war eine größere Datenmenge als die, die wir in den Jahren zuvor in allen Delikten in unserem Competence Centrum hatten“, sagte Paulick. Auf die Frage, ob sich die Polizei mit den Tätern ein ständiges Wettrennen liefere, erklärte Paulick: „Wir halten ganz gut mit.“

Angehörige dokumentieren und verbreiten Missbrauch

Nichts sagen die Zahlen über das Leid der Opfer. Paulick zufolge wurden in den Jahren 2012 und 2013 vier Kleinkinder in Sachsen-Anhalt aus aktuellen Missbrauchsfällen befreit. Die Taten seien von Angehörigen der Kinder „dokumentiert und verbreitet worden“, erklärte Paulick. In zwei Fällen sei man den Tätern auf die Spur gekommen, weil sie Kinderpornos besessen und verbreitet hatten. Vier Täter seien anschließend zu Haftstrafen von bis zu sechs Jahren verurteilt worden.

Insgesamt sind im vergangenen Jahr nach Auskunft des Justizministeriums von der Zentralstelle zur Bekämpfung von Kinderpornografie Verfahren gegen 427 Beschuldigte geführt worden. 221 Verfahren wurden wegen geringer Schuld eingestellt, in 37 Fällen Anklage erhoben, in 27 Fällen das Verfahren mit einem Strafbefehl eingestellt.

Schnellerer Abschluss der Verfahren

„Die Verfahren werden inzwischen deutlich schneller abgeschlossen als noch vor einigen Jahren“, sagte Ministeriumssprecherin Ute Albersmann. Knapp 80 Prozent aller Verfahren werden nach drei Monaten nach einer ersten Bearbeitung durch die Polizei der Staatsanwaltschaft übergeben, innerhalb eines halben Jahres sind es 94,6 Prozent. Nur 0,8 Prozent könnten nicht innerhalb eines Jahres bearbeitet werden, sagte Albersmann. In den meisten Fällen wurde damit die von den Gerichten geforderte Verfahrensdauer eingehalten; selbst wenn dem nicht so war, verwarfen die Gerichte die wenigen Beschwerden.

Zeitnahe Ermittlungen

Eine Bearbeitungszeit von sechs bis neun Monaten gilt vor Gericht als Schallmauer für eine tatsächliche Verurteilung. Andernfalls kommt es regelmäßig zur Rückgabe der Beweismittel an die Beschuldigten und zur Einstellung der Verfahren. In Sachsen-Anhalt waren davon im Jahr 2009 noch mehr als 400 kinderpornografische Strafverfahren betroffen. Aufgrund des Dilemmas trat damals der Leiter der Zentralstelle für Kinderpornografie, Peter Vogt, zurück - Innen- und Justizministerium schoben sich gegenseitig die Schuld für die Probleme zu. Inzwischen scheinen diese abgestellt: Durch mehr Personal, den Aufbau des Cybercrime Competence Centers und bessere Technik. „Sollte es wirklich einmal eng werden, können wir uns auch externer Gutachter bedienen“, sagte LKA-Sprecher von Koß. Dies sei 2013 aber nicht nötig gewesen.