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Sachsen-Anhalt: Wieso das Geschäft mit Müll-Importen so reizvoll ist

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Halle (Saale) -

Wird Sachsen-Anhalt der Müllabladeplatz Europas? Auf alle Fälle haben ausländische Entsorger entdeckt, dass man seinen Abfall hier gut und günstig loswerden kann. Das Interesse, so das Umweltministerium, ist mitunter größer als die Möglichkeiten.

Die Menge des „grenzüberschreitenden Abfalls“: 15.500 Tonnen sind es allein 2015 gewesen. Das entspricht der Ladung von etwa 1.500 Kipper-Fahrzeugen. Zu den wichtigsten Herkunftsländern des Haus- und Gewerbemülls gehören Großbritannien und die Schweiz, so das Umweltministerium. Dort sind die Deponiegebühren sehr hoch. In Deutschland muss Müll seit 2005 verbrannt werden.

Für Sachsen-Anhalt lohnt sich das Geschäft. Der Müll-Import trägt dazu bei, dass die sieben Verbrennungsbetriebe im Land profitabel arbeiten. Detlef Thiel, Pressesprecher des Umweltministeriums: „Die Daten für 2014 und 20 15 belegen eine fast 100-prozentige Auslastung.“ Einzelheiten zu Umsätzen und Gewinnen liegen nicht vor.

Warnung vor noch mehr Verbrennungsanlagen

Michael Hofmann von der MVV Umwelt, die seit 2005 eine Müllverbrennungsanlage in Leuna (Saalekreis) betreibt, sagt: „2010 bis 2012 hatten wir eine Delle, ein Problem, die Anlagen voll auszulasten.“ Heute werde auf dem Abfallmarkt mit harten Bandagen gekämpft. Immerhin 50 Prozent des Mülls sind ihm zufolge über Verträge mit Landkreisen und Kommunen sicher. Die andere Hälfte müsse flexibel gebunden werden. „Dass die Briten viel auf dem Kontinent entsorgen, entspannt die Lage.“ Auch in Leuna verbrenne man Müll von der Insel. Abnehmer der Energie ist der Chemie-Standort. Importe unterliegen einem strengen Reglement. Grundlage sind demnach rechtsverbindliche EU-Regeln. Erst am Ende eines aufwendigen Kontrollverfahren kann die Landesbehörde eine Erlaubnis erteilen.

Der bundesweite Marktanteil der Anlagen in Sachsen-Anhalt beträgt zehn Prozent. Das bedeutet im Osten Platz eins. Im Vergleich dazu: In Sachsen-Anhalt leben weniger als drei Prozent der Deutschen.

Anfängliche Kritik, die Anlagen seien überdimensioniert, sind weitgehend verstummt. Die Abgasreinigung gilt als hochwirksam. Allenfalls über die Filterasche streiten die Gelehrten. Benjamin Bongardt, Ressourcen-Experte des Naturschutzbunds Deutschland, warnt jedoch vor zusätzlichen Anlagen. Das würde Müll-Importe noch forcieren. Offiziell sind keine neue Müllverbrennungsanlagen in Sachsen-Anhalt geplant. Der Abfallwirtschaftsplan des Landes sieht keinen Ausbau der Kapazitäten vor. „Dieser Grundsatz gilt nach wie vor“, heißt es dazu auf MZ-Anfrage aus dem Umweltministerium. Das bedeutet aber kein generelles Nein zu Müll-Importen. Wahrscheinlich müssen sie auch ausgleichen, was infolge der demografischen Entwicklung wegfällt. Nur noch 1,9 Millionen Einwohner, so die Vorhersage für 2025, verursachen weniger Müll als 2,3 Millionen im Jahr 2 000. (mz)