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Sachsen-Anhalt: Viele Sowjet-Kasernen mit neuer Nutzung

Heide-Süd

Der Stadtteil Heide-Süd in Halle: Auf dem früheren Kasernengelände entsteht ein Wohngebiet. Im Hintergrund ist Neustadt zu sehen. (Foto: dpa)

Magdeburg/dpa. -

Auf anderenArealen marschieren nun deutsche Soldaten, manche wurden abgetragenund wieder andere sind wahre Schandflecke, weil sie seit mehr alseinem Jahrzehnt verfallen. Das ergab eine Umfrage der DeutschenPresse-Agentur dpa bei Kommunen, Behörden und der Bundesanstalt fürImmobilienaufgaben (BIMA), die einen Teil der noch nicht verkauften«Russenliegenschaften» verwaltet.

Etwa 85 000 Hektar umfassten sie einst im Land, nach Brandenburgwaren in Sachsen-Anhalt die meisten dieser Objekte. InAltlastenbeseitigung, Munitionsberäumung und Sanierung wurden mehrere hundert Millionen Euro gesteckt. Ergebnis: «Der überwiegende Teilwurde einer Nachnutzung zugeführt», sagt Max Stumpf von der BIMA-Direktion Magdeburg. Größtes Problem seien neben Altlasten in vielenFällen die zunächst ungeklärten Eigentumsverhältnisse gewesen.

Heute erstrahlen viele der einst streng abgesichertenKasernengelände und Übungsplätze der Roten Armee in neuem Glanz. Sowurde in Magdeburg ein riesiges ostelbisch gelegenes Arealumgestaltet, heute befinden sich hier Behörden, die HochschuleMagdeburg-Stendal, der Elbauenpark, Künstlerateliers und Wohnhäuser.«Die Bundesgartenschau 1999 war ein Glücksfall, weil es ohne diedamit verbundenen Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro nichtgelungen wäre, diesen gewaltigen Komplex nachhaltig zu sanieren»,sagt Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) laut einer Sprecherin.

Ein ähnliches Mammutprojekt in Halle ist noch im Gang: Seit Mitteder neunziger Jahre wird hier das ehemalige Garnisonsgelände Heide-Süd umgestaltet, mit 200 Hektar Fläche das größte innerstädtischeKonversionsvorhaben in Deutschland. 180 Gebäude wurden abgerissen,150 Einzelflächen von Altöl, Müll oder Munitionsresten befreit. «DasAreal wird sich in den nächsten 15 bis 20 Jahren zu einer Stadt inder Stadt entwickeln und bis zu 6000 Hallensern Wohnung, Arbeit undErholung bieten», sagt Olaf Kummer vom Ressort Stadtentwicklung derStadtverwaltung. Heute gibt es hier schon Gebäude der Martin-Luther-Universität, ein Wohngebiet, Grünflächen und einen Wissenschaftspark.

In Wittenberg wurden von der Roten Armee 14 Liegenschaftengenutzt. Große Kasernen - etwa Nordend und Apollensdorf - wurdeninzwischen abgerissen, es entstanden Wohnungen, Firmengebäude, eineMarina oder Hotels. «In kurzer Zeit wurden riesige Flächen und vieleverwahrloste Gebäude einer sinnvollen Nutzung zugeführt. Das ist einebeachtliche Leistung von Bund, Land, Kommunen und privatenInvestoren», sagt Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD).

Ähnlich positiv sieht das sein Kollege in Burg, Bernhard Sterz(SPD). Hier wird heute eine ehemalige Artilleriekaserne nachaufwendiger Sanierung von Stadt- und Kreisverwaltung, DRK,Amtsgericht, Gastronomen und Ärzten genutzt. «Wir können uns nichtbeschweren. Das Areal wurde revitalisiert», sagte Sterz. NächstesProjekt ist die Ausweitung eines Gewerbegebietes, auch dazu wird einfrüheres Kasernengelände umgestaltet.

In Naumburg gab es sechs Liegenschaften der Sowjets, heute stehendort unter anderem Wohnungen, ein Sport- und Freizeitzentrum oder dasBad «Bulbana». Die Erschließung des früheren Heereszeugamts, wo sichschon einiges Gewerbe angesiedelt hat, gestaltet sich noch schwierig:«Leider stehen die Investoren bei uns nicht Schlange», sagt ChristineKrumov von der Stadtverwaltung. In der kleinen Gemeinde Hillersleben(Bördekreis) gammelt ein riesiges, zuletzt von den Russen genutztesKasernengelände vor sich hin. «Schön ist das nicht», sagt Vize-Bürgermeister Burkhard Kungel. «Wir haben darauf aber keinenEinfluss.» Das Areal gehört dem Bund.

Eine ganz andere Nachnutzung erfährt der 23 000 Hektar umfassendeTruppenübungsplatz Altmark gleich in der Nähe: Hier üben heuteBundeswehr und Soldaten anderer Staaten, dank eines auf Lasertechnikbasierenden Gefechtsübungszentrums fällt jedoch kein scharfer Schussmehr. Das größte deutsche Projekt zur Munitionsräumung wurde dort imVorjahr abgeschlossen. Kosten: 320 Millionen Euro.