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Sachsen-Anhalt: Viele Sowjet-Kasernen mit neuer Nutzung

Uhr | Aktualisiert 10.02.2008 14:52 Uhr
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Heide-Süd

Der Stadtteil Heide-Süd in Halle: Auf dem früheren Kasernengelände entsteht ein Wohngebiet. Im Hintergrund ist Neustadt zu sehen. (Foto: dpa)

14 Jahre nach dem Abzug der letzten sowjetischen Soldaten aus Deutschland werden die meisten ihrer Liegenschaften in Sachsen-Anhalt wieder zivil genutzt.
Magdeburg/dpa. 

Auf anderen Arealen marschieren nun deutsche Soldaten, manche wurden abgetragen und wieder andere sind wahre Schandflecke, weil sie seit mehr als einem Jahrzehnt verfallen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa bei Kommunen, Behörden und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), die einen Teil der noch nicht verkauften «Russenliegenschaften» verwaltet.

Etwa 85 000 Hektar umfassten sie einst im Land, nach Brandenburg waren in Sachsen-Anhalt die meisten dieser Objekte. In Altlastenbeseitigung, Munitionsberäumung und Sanierung wurden mehrere hundert Millionen Euro gesteckt. Ergebnis: «Der überwiegende Teil wurde einer Nachnutzung zugeführt», sagt Max Stumpf von der BIMA-Direktion Magdeburg. Größtes Problem seien neben Altlasten in vielen Fällen die zunächst ungeklärten Eigentumsverhältnisse gewesen.

Heute erstrahlen viele der einst streng abgesicherten Kasernengelände und Übungsplätze der Roten Armee in neuem Glanz. So wurde in Magdeburg ein riesiges ostelbisch gelegenes Areal umgestaltet, heute befinden sich hier Behörden, die Hochschule Magdeburg-Stendal, der Elbauenpark, Künstlerateliers und Wohnhäuser. «Die Bundesgartenschau 1999 war ein Glücksfall, weil es ohne die damit verbundenen Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro nicht gelungen wäre, diesen gewaltigen Komplex nachhaltig zu sanieren», sagt Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) laut einer Sprecherin.

Ein ähnliches Mammutprojekt in Halle ist noch im Gang: Seit Mitte der neunziger Jahre wird hier das ehemalige Garnisonsgelände Heide-Süd umgestaltet, mit 200 Hektar Fläche das größte innerstädtische Konversionsvorhaben in Deutschland. 180 Gebäude wurden abgerissen, 150 Einzelflächen von Altöl, Müll oder Munitionsresten befreit. «Das Areal wird sich in den nächsten 15 bis 20 Jahren zu einer Stadt in der Stadt entwickeln und bis zu 6000 Hallensern Wohnung, Arbeit und Erholung bieten», sagt Olaf Kummer vom Ressort Stadtentwicklung der Stadtverwaltung. Heute gibt es hier schon Gebäude der Martin-Luther-Universität, ein Wohngebiet, Grünflächen und einen Wissenschaftspark.

In Wittenberg wurden von der Roten Armee 14 Liegenschaften genutzt. Große Kasernen - etwa Nordend und Apollensdorf - wurden inzwischen abgerissen, es entstanden Wohnungen, Firmengebäude, eine Marina oder Hotels. «In kurzer Zeit wurden riesige Flächen und viele verwahrloste Gebäude einer sinnvollen Nutzung zugeführt. Das ist eine beachtliche Leistung von Bund, Land, Kommunen und privaten Investoren», sagt Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD).

Ähnlich positiv sieht das sein Kollege in Burg, Bernhard Sterz (SPD). Hier wird heute eine ehemalige Artilleriekaserne nach aufwendiger Sanierung von Stadt- und Kreisverwaltung, DRK, Amtsgericht, Gastronomen und Ärzten genutzt. «Wir können uns nicht beschweren. Das Areal wurde revitalisiert», sagte Sterz. Nächstes Projekt ist die Ausweitung eines Gewerbegebietes, auch dazu wird ein früheres Kasernengelände umgestaltet.

In Naumburg gab es sechs Liegenschaften der Sowjets, heute stehen dort unter anderem Wohnungen, ein Sport- und Freizeitzentrum oder das Bad «Bulbana». Die Erschließung des früheren Heereszeugamts, wo sich schon einiges Gewerbe angesiedelt hat, gestaltet sich noch schwierig: «Leider stehen die Investoren bei uns nicht Schlange», sagt Christine Krumov von der Stadtverwaltung. In der kleinen Gemeinde Hillersleben (Bördekreis) gammelt ein riesiges, zuletzt von den Russen genutztes Kasernengelände vor sich hin. «Schön ist das nicht», sagt Vize-Bürgermeister Burkhard Kungel. «Wir haben darauf aber keinen Einfluss.» Das Areal gehört dem Bund.

Eine ganz andere Nachnutzung erfährt der 23 000 Hektar umfassende Truppenübungsplatz Altmark gleich in der Nähe: Hier üben heute Bundeswehr und Soldaten anderer Staaten, dank eines auf Lasertechnik basierenden Gefechtsübungszentrums fällt jedoch kein scharfer Schuss mehr. Das größte deutsche Projekt zur Munitionsräumung wurde dort im Vorjahr abgeschlossen. Kosten: 320 Millionen Euro.