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Sachsen-Anhalt: Razzia in zwölf Objekten der Bandidos

Uhr | Aktualisiert 16.10.2012 20:49 Uhr
Polizeibeamte sichern am Dienstag in Magdeburg ein Objekt des Motorradclubs Bandidos. (FOTO: DAPD) 
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Schlag gegen das Rocker-Milieu in Sachsen-Anhalt. Die Polizei nimmt unter anderem Clubhäuser der Bandidos ins Visier. Es geht um Hehlerei, Waffen und Drogen. Und genau das finden die Beamten.
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Magdeburg/MZ. 

Hier ein präziser Schlag und das Fenster bricht auf. Dort splittert Holz, dann klappt schon das Tor. Und da schwingen sich vermummte Männer über eine Mauer. Spezialkräfte der Polizei bahnen sich von mehreren Seiten ihren Weg in den Gebäudekomplex im Süden von Magdeburg. Eine Razzia in Sachsen-Anhalts Rocker-Szene beginnt am Dienstag im Morgengrauen. Es geht um Drogen, Hehlerei und Waffen. Ziel der Fahnder sind Treffpunkte des Motorradclubs „Bandidos“ in Magdeburg und in mehreren Landkreisen. Unangemeldeten Besuch erhalten auch Lokale in Aschersleben, Schönebeck und Halberstadt. Manches geht zu Bruch. Es gibt keine Gegenwehr. Niemand wird verletzt.

Keine Festnahme

Bis zum Nachmittag stellen die Fahnder zwölf Objekte auf den Kopf. Ihre Erwartung richtet sich auf jeden noch so kleinen Hinweis, der Verdachtsmomente gegen sechs teils führende Mitglieder des Rocker-Syndikats erhärtet oder gegebenenfalls auch entkräftet. Aufgefundene Unterlagen werden gesichtet, Computer überprüft und gesichert, nach Verstecken im Gelände intensiv gesucht. Wie sich zeigt, eine Puzzle-Arbeit, die viel Zeit kostet. Schlagende Beweise, die eine unmittelbare Beteiligung an Straftaten nachweisen, finden sich auf Anhieb wohl nicht. Das würde auch erklären, warum die Polizei niemanden festnimmt.

Dennoch belegt die erste Zwischenbilanz, dass die Polizei wohl auf einer heißen Spur ist: Zehn Kilogramm Haschisch werden gefunden, eine große Menge Bargeld, Waffen, reichlich Munition und wahrscheinlich gestohlene Motorrad-Teile. Regie bei dem Einsatz führt das Landeskriminalamt.

Pressesprecher Stefan Brodtrück hält sich noch am Nachmittag ungewöhnlich bedeckt, sagt nur so viel: „Ein gelungener Einsatz in schwierigem Umfeld.“ Weitere Informationen wollen die Ermittler erst nach einer Auswertung der Untersuchungen in einigen Tagen herausgeben. So lange blühen freilich die Spekulationen - etwa unter Passanten, die das aufregende Geschehen aus der Ferne beobachten.

Mancher Augenzeuge vermutet einen Zusammenhang mit dem zur Zeit in Halle laufenden Rocker-Prozess. Dabei geht es um eine Schießerei im Milieu. Der Staatsanwaltschaft ist kürzlich ein wichtiger Zeuge weggebrochen. Und seitdem ist ein zuvor dringend Tatverdächtiger wieder auf freiem Fuß. Der Prozess soll an diesem Freitag weitergehen.

Rocker-Kriminalität sorgt in Sachsen-Anhalt seit etwa zehn Jahren immer wieder für Schlagzeilen. Inzwischen müssen sich die Ermittler mit einem bundesweit agierenden Netzwerk auseinandersetzen. Die Behörden in Sachsen-Anhalt gehen von einem harten Kern aus, der 200 Männer umfassen soll. Schwerpunkte im Osten sind Berlin und Brandenburg, wo man 700 Rocker schätzt. Eine Eigenart der Szene ist, so die Polizei, dass die Mitglieder die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen weitgehend ablehnen.

Im Rauschgifthandel aktiv

32 Verfahren gegen kriminelle Rocker listet der aktuelle Lagebericht über die Organisierte Kriminalität auf, herausgegeben vom Bundeskriminalamt (BKA). Als wichtigste Aktivität der von Deutschen dominierten Gruppen gilt der Rauschgifthandel. Auch Erpressungen und illegaler Waffenhandel gewinnen laut BKA an Bedeutung. Unterm Strich ist aus dieser Kriminalstatistik ablesbar, dass man nahezu in jedem zehnten Ermittlungsverfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität eine direkte oder indirekte Verbindung ins Rocker-Milieu feststellt.

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