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Sachsen-Anhalt: Neuer Studiengang in Halle geplant: Pfleger mit Arzt-Aufgaben

Medizinische Fakultät in Halle

Die Medizinische Fakultät der Uni Halle plant einen neuen Studiengang.

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JENS SCHLÜTER

Halle (Saale) -

An der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität in Halle wird derzeit ein in Deutschland einmaliger Studiengang entwickelt. Absolventen im Bereich Pflegewissenschaft sollen als Pflegekräfte auch bestimmte „heilkundliche Tätigkeiten“ übernehmen  - also zum Beispiel bei der Versorgung von chronischen Wunden selbstständig kleine chirurgische Eingriffe vornehmen. Das  Modellprojekt soll noch in diesem Jahr starten.  Was noch fehlt ist die Zustimmung des Bundesgesundheitsministeriums. Vorbehalte gibt es aus Teilen der Ärzteschaft.

Anforderungen bei der Ausbildung ändern sich

Der Pflege in den Krankenhäusern, aber auch in den Arztpraxen kommt  immer größere Bedeutung zu, entsprechend ändern sich  die  Anforderungen bei der Ausbildung.  Die Medizinische Fakultät   in Halle hat sich schon vor Jahren auf diese Entwicklung eingestellt. Mittlerweile besitzt Halle mit der  Pflegeforschung in der Wissenschaftslandschaft ein Alleinstellungsmerkmal. Damit wird auch die Medizinische Fakultät als Ganzes gestärkt.

Der neue Studiengang kann diese Entwicklung  weiter vorantreiben. Bislang werden jeweils 40 Studenten im Fachbereich Pflegewissenschaft ausgebildet. Ausgestattet mit einem Bachelor-Abschluss gehen viele  in die Forschung oder übernehmen organisatorische Aufgaben in der Pflege. In dem neuen Studiengang sollen Studenten  nach Angaben von Professor Oliver Thews, der das Modell mit entwickelt hat, zusätzlich eine vollständige  pflegerische Ausbildung erhalten.  Ihnen sollen zudem medizinischen Grundlagen für spätere heilkundliche Tätigkeiten vermittelt werden.

Neben der Wundversorgung nennt Thews drei weitere Bereiche, in denen studierte Pfleger eigenständig arbeiten könnten: Sie sollen bei Diabetikern die Dosierung der Medikamente  anpassen, bei Patienten mit zu hohem Blutdruck  therapeutische Maßnahmen veranlassen und auch an Demenz erkrankte Menschen versorgen.

Abstimmungsproblemen mit dem Arzt?

Mit dem Modellstudiengang will  die  Fakultät auf die geänderten Anforderungen in der Ausbildung reagieren.   „Die Differenzierung in der Pflege wird einen immer größeren Stellenwert einnehmen,“ sagte Thews der Zeitung. Ärzte  könnten so etwa von bestimmten Aufgaben entlastet werden.

Für die  Kassenärztliche Vereinigung als Dachverband niedergelassener Haus- und Fachärzte in Sachsen-Anhalt  gibt es allerdings noch Diskussionsbedarf. Wie deren Vorsitzender Burkhard John der Zeitung sagte, wehre man sich nicht grundsätzlich gegen den neuen Studiengang. Es sei erfreulich, wenn Pflegekräfte noch besser qualifiziert werden. Es bestehe aber die Gefahr, das in den Haus- und Facharztpraxen durch diese Fachkräfte eine weitere Handlungsebene entstehe. Dadurch könne es zu Abstimmungsproblemen mit dem Arzt und möglicherweise zu höheren Kosten kommen. (mz)